Die Ausstellung „Luthermania“ ist noch bis zum 17. April 2017 in der Bibliotheca Augusta zu sehen. Zur Eröffnung kamen viele Interessenten.

Luther-Biografin Lyndal Roper eröffnete Ausstellung in Wolfenbüttel mit Festrede

Prophet, Ketzer, Aufklärer, Antisemit, Nationalheld, Fürstenknecht: Wohl kaum eine Gestalt der deutschen Erinnerungskultur hat so unterschiedliche Zuschreibungen erfahren wie Martin Luther. Anlässlich des Reformationsjubiläums in diesem Jahr wirft die Herzog August Bibliothek in einer großen Sonderausstellung einen Blick auf die Kultfigur Martin Luther.

Die im Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel (MWW) realisierte Ausstellung „Luthermania“ zeigt die Ursprünge dieser Lutherbilder, die zum Teil bis heute wirksam geblieben sind. Eröffnet wurde die Schau am vergangenen Sonntag mit einer Festrede der Historikerin und Luther-Biografin Lyndal Roper (Oxford).  

Nach einer Begrüßung der Gäste durch Pof. Peter Burschel, Dierektor der HAB, sprach Dr. Sonja Asal, Geschäftsführerin des Forschungsverbunds Marbach-Weimar-Wolfenbüttel, über den Forschungsverbund und die weiteren Ausstellungen, die noch folgen werden.

Festrednerin Lyndal Roper, vielbeachtete Autorin der Luther-Biografie, betonte, jede Zeit habe stets ihr eigenes besonderes Interesse an Luther herangetragen. Sie mutmaßte, dass sich Luther vielleicht wie keine andere protestantische Figur für Ausstellungen eigne und fragte, mit was sich die Reformation besser verbinde als mit dem Körper Luthers selbst. 

Im Geiste der aufgeschlossenen Reflexion der lutherischen Gedenkkultur widmete sich Roper in ihrem Vortrag dem häufig vorkommenden Motto „Lebend war ich Dir die Pest, gestorben werde ich Dein Tod sein, Papst“. Worte Luthers, die er mit Kreide kurz vor seinem Tod an die Wand schrieb, am Abend bevor er starb.

Zum Abschluss gab der Kurator, Theaterwissenschaftler und Historiker Hole Rößler (Wolfenbüttel) noch eine Einführung in die Ausstellung, die zeigt, welche Herkunft und Geschichte die verschiedenen Lutherbilder haben, dass sie geformt sind von der sozialen und politischen Lage, von kulturellen Entwicklungen und Krisen der jeweiligen Zeit. Auf 380 Quadratmetern präsentiert die Ausstellung vier wesentliche kulturelle „Spielfelder“, in denen sich Lutherbilder entwickelten und über lange Zeiträume wirksam waren: Luther, der Heilige – Luther, der Teufel – Luther, die Marke – Luther, der Deutsche. Die Exponate werden dabei nicht als Wege zu Luther verstanden, sondern als materielle Agenten, die die Aufgabe hatten, eine bestimmte, mit Vorannahmen, Wertzuschreibungen, Idealen und Absichten behaftete „Sichtbarkeit“ herzustellen. Sie haben in ihrer Zeit und mit unterschiedlichem Erfolg „Luther“ gemacht.

Die rund 70 Exponate – illustrierte Bücher, Flugblätter, Handschriften und Objekte – stammen zum größten Teil aus den reichen Beständen der Herzog August Bibliothek, die auch über die weltweit größte Sammlung an Lutherdrucken verfügt. Wichtige Leihgeber sind das Deutsche Literaturarchiv Marbach, das unter anderem die angebliche Totenmaske Martin Luthers zur Verfügung stellt, die Klassik Stiftung Weimar sowie das Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig.


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