Aus Cremlingen holten die Schulenröder ihre neue Linde und transportierten den jungen Baum per Bollerwagen nach Schulenrode.

Schulenröder pflanzten eine neue Linde an Dorfmittelpunkt

Die ehemalige Linde schätzen die älteren Dorfbewohner auf über 200 Jahre. Wilhelm Niebuar, der mit sieben Jahren nach Schulenrode zog, erinnert sich noch gut: „Als Kinder kletterten wir immer auf dem Baum herum“, sagte der 79-Jährige. Schon zu der Zeit hätte man den Baum nur zu dritt umarmen können.

Doch da der Dorfbaum morsch und krank geworden ist, ließ ihn die Gemeinde im Januar zur Sicherheit fällen. Leider, so erzählten einige Schulenröder, hätte man auch nicht mehr die Jahresringe des Stammes zählen können, weil dieser schon hohl war. „Weil unser Lindenberg eine zentrale Bedeutung für unsere Ortschaft ist, war der Aufschrei der Bürger nach der Fällung natürlich groß“, sagte Ortsbürgermeister Helmut Wolk. Deshalb war für die Dorfbewohner kurz danach klar, dass eine neue Linde hermusste, zumal auch das Dorfwappen drei Lindenblätter enthält und somit unvollständig gewesen wäre. Auf dem Lindenberg wachsen zwei weitere Linden. 

Da die Schulenröder schon immer voller Ideen sprudeln, pflanzten sie nicht einfach stupide einen neuen Baum an die alte Stelle. Stattdessen pilgerten rund 70 Bewohner am Sonntagmorgen nach Cremlingen. In einem Gartenbetrieb im Moorbusche lag dort bereits die neue Linde parat, die die Gemeinde besorgt hatte. Nach einer kleinen Glühwein-Stärkung wurde der Baum auf einen Bollerwagen verladen und nach Schulenrode gebracht. Nach rund eineinhalb Stunden Fußmarsch und abwechselndem Ziehen kam die Gruppe schließlich an ihrem zentralen Platz neben der Kirche an, wo weitere Dorfbewohner sie schon mit Applaus erwarteten. 

„Heute ist ein großer Tag für Schulenrode. Mit dem neuen Baum ist unser Dorfbild wieder vollständig“, sagte der Ortsbürgermeister. Karsten und Heinrich Bosse, Florian Wolk, Matthias Thiede und André Heise befreiten anschließend den Ballen vom Netz, pflanzten die Linde ein und sicherten sie mit Pfosten und Bandagen. Das anschließende Angießen übernahm natürlich Helmut Wolk. Damit der Baum ein „echter Schulenröder“ wird und kräftig wachsen kann, wurde er auch von Heinrich Bosse mit einer Flasche Wolters-Bier angegossen. „Er muss ja wissen, dass er es bei uns gut hat“, scherzte Bosse. 

Gänsehaut-Feeling gab es im Anschluss beim Auftritt der Schulenröder Teichtröten. Sie sangen „Der Baum des Lebens“ aus dem Musical „Tabaluga“ von Peter Maffay und ernteten riesigen Beifall. Im Sport- und Schützenheim wurde danach weiter gefeiert. Dort trafen sich die Dorfbewohner zum Braunkohlessen und zum Begießen der Linde. 


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