An der Delegiertenkonferenz nahmen auch Mitglieder des Vorstands des SPD-Unterbezirks Wolfenbüttel teil. Von links: Susanne Fahlbusch, Matthias Franz, Marcus Bosse, Julian Märtens, Dörthe Weddige-Degenhard und Falk Hensel.

Schulz und Gabriel zogen gemeinsam in den Wahlkampf

Die größte Veranstaltung seit dem Besuch von Willy Brandt: So beschrieb der hiesige SPD-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Wolfenbüttel Marcus Bosse die zurückliegende SPD-Delegiertenkonferenz. Über 800 Gäste, 80 Pressevertreter und 138 Delegierte der Unterbezirke Wolfenbüttel, Salzgitter und Goslar konnte er am Mittwochabend in der Lindenhalle Wolfenbüttel begrüßen. Neben zahlreichen Redebeiträgen stand bei der Konferenz vor allem die Wahl des Wahlkreiskandidaten für die Bundestagswahl auf dem Programm. Mit überragender Mehrheit (136 von 138 Stimmen) wurde Sigmar Gabriel erneut als Wahlkreiskandidat gewählt. Diesen Erfolg konnte er an diesem Abend nicht nur mit den anwesenden SPD-Genossen, sondern auch mit seinem Kollegen und geschätzten Freund Martin Schulz feiern.

Tosenden Applaus gab es bereits zu Beginn der Konferenz, als Sigmar Gabriel zusammen mit dem designierten Kanzlerkandidaten die voll besetzte Halle betrat. Nach den Grußworten des 23-jährigen SPD-Mitglieds Lena Starke, dem Vorstandsvositzenden der Salzgitter AG Prof. Dr. Heinz-Jörg Fuhrmann und dem Präsidenten der Arbeiterwohlfahrt Wilhelm Schmidt, betrat Schulz das Rednerpult und startete eine wahre Lobeshymne auf den Wahlkreiskandidaten Sigmar Gabriel. „Er ist ein Glücksfall für diesen Wahlkreis, für diese Partei und für diese Bundesrepublik“, betonte Schulz. Besonders lobte er seine Entschlossenheit und Hartnäckigkeit, gerade in den harten Zeiten der Politik. So zeige sich gerade in Tiefpunkten seine wahre Charakterstärke, in denen er stets seine Linie beibehalte und sich nicht verbittern oder verhärten lasse, so Schulz. „Er hat die Fähigkeit, nicht aufzugeben, bis das Ziel erreicht ist.“ 

Zusammen mit seinem geschätzten Freund und Kollegen will er nun in den Wahlkampf ziehen und mit der Nominierungskonferenz sei nun bereits der „Startschuss“ gefallen, betonte er. Ziel sei es, seine Stärke einzusetzen, um andere stark zu machen. „Wir wollen  ein Land der guten Nachbarn sein, nach innen und nach außen“, lehnte er sich an die Worte Willy Brandts bei seiner Regierungserklärung an. Es gelte, die Demokatie zu schützen und klare Kante gegen rechts zu zeigen. Er spielte dabei auf die Rede des AfD-Vorsitzenden Björn Höcke an, der das Holocaust-Denkmal jüngst als ein Mahnmal der Schande bezeichnete. „Die Demokratiefeinde müssen lernen, dass die überwätigende Mehrheit der Menschen in diesem Lande sie nicht für eine Alternative für Deutschland, sondern  schlicht und ergreifend für eine Schande der Bundesrepublik hält“, verdeutlichte Schulz. „Mit dem Geist der Toleranz und dem Respekt vor dem Inidviduum“, wolle man nun gemeinsam in den Wahlkampf treten und die Menschen spüren lassen, „dass sie uns nicht egal sind“, betonte Schulz. 

„Ich glaube, dass jeder Wahlkreis es verdient hat, dass man im Grunde jeden Tag und mit jeder Stunde seine Arbeitskraft zur Verfügung stellt“, sagte Gabriel in seiner Ansprache. Da er selbst das Gefühl habe, sich oftmals zu viel auf anderen Ämtern aufgehalten zu haben, ging sein dank vor allem an die hiesigen Landtagsabgeordneten, Kommunalpolitiker und die Ehrenamtlichen, die diese wichtige Arbeit indes übernommen haben. Seinen Dank richtete er jedoch nicht nur an die SPD, sondern an alle Parteien, mit denen man stets gut und fair zusammengearbeitet habe.

„Wir sind zwar Wettbewerber unter den Parteien, aber keine Feinde. Wir wollen keine amerikanischen Verhältnisse“, betonte er. 

Seit mehr als 150 Jahren stehe die SPD für Freiheit und Demokratie, erklärte Gabriel. Sich für das Wohlergehen derjenigen einzusetzen, die sich den Wohlstand jeden Tag erarbeiten, obgleich sie manchmal nicht so viel davon haben, darin liege der Kern der Sozialdemokratie, sagte Gabriel. 

„Wir sind eine Region, die viel Selbstbewusstsein hat und das zu recht“, so Gabriel. Und damit das so bleibt, sei es wichtig, in punkto Bildung, Digitalisierung oder auch Straßenausbau in die Zukunft zu investieren. „Sich kümmern um Gemeinden und Städte heißt, Menschen Halt, Orientierung und Wurzeln zu geben“, verdeutlichte der Wahlkreiskandidat. Hierbei dürfe nicht gespart werden. Denn vor allem die Entwicklung im ländlichen Raum mache Gabriel sorgen. „20 Prozent der Städte und Gemeinden in Deutschland haben weder einen Hausarzt, noch eine Apotheke, noch einen Einkaufsladen, noch eine Schule, nicht mal eine Bushaltestelle.“ So entstehe der Eindruck, dass die Politik die Menschen vergesse. Ihm sei es daher wichtig, auf eine Steuersenkung zu verzichten und stattdessen in die Zukunft zu investieren, um den Leuten eine Heimat bieten zu können. Hierbei nahm er auch das für die Region bedeutende Thema Asse auf.  Die einzige sichere Lösung für die Nachkommen sei es, die 125.000 Fässer auszulagern, so Gabriel. 

In seiner Position als Außenminister kam er auch auf die Europapolitik zu sprechen. „Europa muss großes Thema dieses Landes sein“, betonte er. „Wir müssen die demokratischen Werte des Westens verteidigen.“ So gebe es keinen Grund, unterwürfig zu sein oder sich anzubiedern. „Eine stumme Partei ist eine dumme Partei“, fügte er hinzu.

Ganz so leicht sei es dem ehemaligen Umwelt- und Wirtschaftsminister nicht gefallen, das Amt des SPD-Vorsitzenden aufzugeben, erklärte Ga–briel.  In Martin Schulz sehe er allerdings einen würdigen Nachfolger für den SDP-Vorsitz. Durch seine ehemalige Mitgliedschaft im Europäischen Parlament würde niemand Europa besser präsentieren als er. 

Am Ende der Konferenz wurde es dann noch einmal spannend. Die Wahl zum Wahlkreiskandidaten für den Bundestagswahl stand an. Mit 136 Stimmen wurde Sigmar Gabriel als Wahlkreiskandidat gewählt. Lediglich eine Nein-Stimme und eine Enthaltung waren dabei. Im Kreise seiner Parteigenossen und dem designierten Kanzlerkandidaten ließ er sich feiern.


ANZEIGE