Der Schaden durch den Brand am und im Facharztzentrum im Schloss ist immens!

Nach Brand: 5.500 Euro Belohnung von Stadt und Praxen ausgesetzt

Am Freitag fand im Rathaus eine Pressekonferenz bezüglich des Brandes im Facharztzentrum am Schloss sowie zu den sechs weiteren Bränden in Stadt und Landkreis vom Osterwochenende statt. Vor Ort waren Vertreter der Stadt Wolfenbüttel, der Feuerwehr, der Polizei, des Städtischen Klinikums, Betroffene und Eigentümer, die über den aktuellen Stand der Dinge berichteten.

Insgesamt kam es am Osterwochenende zu sieben Bränden im Landkreis Wolfenbüttel. Einen Brand gab es bereits am Ostersonntag. An der Carl-Gotthard-Langhans-Schule brannte am Morgen ein Papiercontainer. Am Montag wurden in Achim Strohballen vorsätzlich in Brand gesetzt. In Ohrum sowie in der Stadt Wolfenbüttel, Am Buschkopf, Am Rehmanger, Am Wasserwerk und am Lessingplatz wurden ebenfalls Papiercontainer vorsätzlich angezündet. Am Lessingplatz hat das Feuer auf das angrenzende Ärztehaus übergegriffen und dieses schwer beschädigt. Mehrere Arztpraxen müssen den Betrieb für einen längeren Zeitraum einstellen, die Apotheke müsse grundsaniert werden, so die aktuellen Informationen. 

Bürgermeister Thomas Pink zeigte sich sichtlich erschüttert über die Vorkommnisse. „Wir sind alle brutal aus der Feiertagsstimmung herausgerissen worden. Nur Dank des großen Engagements unserer Feuerwehr ist Schlimmeres verhindert worden“, erklärte er. Er versicherte, dass man seitens der Stadt den Betroffenen schnell geholfen habe und auch weiterhin helfen möchte.

„Das ist kein Kavaliersdelikt, das ist kein dummer Jungenstreich, das ist eine Straftat“, machte der Bürgermeister deutlich. Hier sei das Risiko eingegangen worden, dass das Feuer übergreift, dass es zu Körperverletzungen oder sogar zu Todesfällen kommt. Es sei unerträglich, dass in Stadt und Landkreis Wolfenbüttel Menschen leben, die nachts aus Jux und Dollerei oder Langerweile an Ostern losziehen, um Brände zu legen, erläuterte Pink. Generell entwickele sich Brandstiftung seit gut einem Jahr zu einer Pest, äußerte er seinen Unmut. „Ich wünsche mir, dass diese Strolche ausfindig und dingfest gemacht werden. Daher hat die Stadt Wolfenbüttel sich auch entscheiden, eine Belohnung in Höhe von 2.000 Euro für sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung des oder der Täter führen, auszuloben“, so Pink weiter. 

Zudem haben sich die Praxen des Facharztzentrums dazu entschieden, diese Belohnung um je 500 Euro zu erhöhen, so dass nun eine Gesamtsumme von 5.500 Euro zur Belohnung ausgesetzt ist. 

Thomas Arth von der von der Polizei Wolfenbüttel berichtete, dass die Staatsanwaltschaft Braunschweig den Brand am Ärztehaus als schwere Brandstiftung eingestuft habe, da die ansässige Apotheke Notdienst gehabt habe, eine Mitarbeiterin in der Apotheke übernachtet habe und deshalb Menschenleben in Gafahr waren. Sollten der oder die Brandstifter gefasst werden, wartet eine Freiheitsstrafe von nicht unter einem Jahr. Arth erklärte, dass man auf Grund des zeitlichen Ablaufs davon ausgehen könne, dass alle Brände von ein und demselben Täter gelegt worden seien. Ob es sich aber um ein oder mehrere Täter handelt, könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit Sicherheit sagen. „Wir lassen alles offen und ermitteln in alle Richtungen“, so Arth. Dass es sich um mindestens zwei Täter handeln könnte, darauf lassen bisherige Zeugenaussagen schließen. 

Die Polizei Wolfenbüttel ermittelt in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Braunschweig in einer zwischenzeitlich eingerichteten Ermittlungsgruppe „DOC“ weiterhin intensiv und geht bis dato verschiedenen Hinweisen und Spuren nach. Die Untersuchungen aller sieben Tatorte seien bereits abgeschlossen. 

„Wir bitten die Bevölkerung weiterhin um Hinweise. Dabei sind nicht nur verdächtige Personen gemeint, sondern auch verdächtige Fahrzeuge oder Fahrradfahrer, die sich zu den Tatzeiten in der Nähe der Brandorte aufgehalten haben“, erklärte Arth. Die bisher veröffentlichten Zeiten seien allerdings die Meldezeiten der Feuer, nicht die Tatzeitpunkte. „Wir gehen davon aus, dass die Brände ab 00.30 Uhr gelegt worden sind“, so Arth weiter. Wer am 17.
April also zwischen 0.30 und 4 Uhr verdächtige Personen oder Fahrzeuge in der Nähe der Brandorte gesehen hat, möge sich bitte melden. 

Brandbeschleuniger seien nach jetzigem Stand der Ermittlungen nicht zum Einsatz gekommen, man habe das Papier in den Containern mit einem Feuerzeug oder dergleichen entfacht. Die Ermittlungsgruppe werte derzeit außerdem Aufnahmen aus einer Überwachungskamera aus. 

Die Ärzte der Praxen haben das volle Ausmaß des Schadens am Montagmorgen betrachten können und seien erschüttert gewesen. Allerdings sei man auch froh, dass keinem Menschen etwas passiert ist. Glücklicherweise habe man auch sehr schnelle Hilfe bekommen, so dass zwei Praxen, die gastroenterologische und die gynäkologische, bereits wieder den Betreib aufnehmen konnten. Die weiteren Praxen wollen den Betrieb teilweise nächste Woche wieder aufnehmen, wurde berichtet. Die chirurgische Praxis hat es allerdings am schlimmsten getroffen, hier werden aktuell noch chemische Gutachten der Räumlichkeiten erstellt, um zu klären ob zumindest ein Teil der Räume wieder für der Betrieb freigegeben werden kann. Spezial-Reinigungsunternehmen seien bereits vor Ort gewesen, um bei einer Freigabe möglichst schnell handeln zu können. 

Das Klinikum Wolfenbüttel übernimmt aktuell den Großteil der Patienten der chirurgischen Praxis. Das seien momentan 25 bis 30 Patienten mehr pro Tag, die das Klinikum betreut, berichtet Dr.  Thomas Hockertz, Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie. Man habe am morgigen Montag eine Besprechung im Klinikum, um abzuklären, wie eine weitere Hilfestellung aussehen kann. Das Klinikum hatte den Ärzten der chirurgischen Praxis Ausweich-Räumlichkeiten angeboten. Die chemischen Gutachten der Versicherungen müssten allerdings erst abgewartet werden, bevor eine Entscheidung durch die Chirurgen des Ärzthauses getroffen werden könnten. 

Die Medicus-Apotheke muss grundsaniert werden. Apothekerin Silvia Wolters ist nach dem Totalschaden ihrer Medicus-Apotheke mit Hochdruck dabei, nach einer Lösung zu suchen, um ihre Kunden so bald wie möglich wieder wie gewohnt bedienen zu können. Zunächst einmal wird sie als Privatperson ab morgen ein Servicetelefon unter der Telefonnummer 05331-1063 einrichten, um bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Darüber hinaus bietet sie ihren Kunden als kostenlose Dienstleistung Belieferungen und Betreuung an. Sie hofft, dass sie die Apotheke im Facharztzentrum so bald wie möglich wieder eröffnen kann. 

Die insgesammte Schadenssumme beim Brand im Fachärztezentrum am Schloss könne bisher noch nicht beziffert werden. Neben dem hohen Brandschaden, kämen noch die Kosten für die spezielle Reinigung, Ersatzanschaffungen, Verdienstausfall und vieles mehr dazu, so Thomas Arth von der Polizei abschließend.


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