Historiker Thomas Klingebiel befasste sich in seinem Buch mit dem Leben des Jägermeister-Gründers.

Biografie über Curt Mast im Wallstein-Verlag erschienen

Es existieren auch heute noch viele Gerüchte, Geschichten und Anekdoten über Curt Mast. Um diesen auf den Grund zu gehen und unzutreffende möglichst endgültig aus der Welt zu räumen, befasste sich Historiker Thomas Klingebiel auf wissenschaftlicher Ebene mit dem Leben des Jägermeister-Gründers. Herausgekommen ist eine Biografie, die sich dem Menschen Curt Mast auf einzigartige Weise nähert, seine Rolle in der NS-Zeit klar beleuchtet und auf sein Schaffen als Politiker detailliert eingeht.

454 Seiten zählt die Biografie, die das Unternehmen Jägermeister bereits im Jahr 2011 in Auftrag gegeben hatte. Ausgangspunkt waren eben jene Spekulationen um den Gründer hinsichtlich seiner Rolle während der Zeit des Nationalsozialismus. Auch wenn sich das Buch in lediglich einem Kapitel des Themas widmet, war es bei der Präsentation im Jägermeister Gästehaus von zentraler Bedeutung. 

„Uns ging es darum, eine Faktenbasis rund um die Person Curt Mast zu schaffen“, erklärte Unternehmenssprecher Michael Eichel und führte weiter aus: „Jägermeister hat nichts mit Göring zu tun.“ Dies habe das wissenschaftlich fundierte Werk gezeigt. 

Um sich der Person Curt Mast zu nähern begann Thomas Klingebiel seine Recherche zunächst im Hause Jägermeister, doch viel sei nicht zu finden gewesen. „Leider existierte weder ein Archiv, noch Dokumente aus der Zeit vor 1945“, berichtete der Historiker. Ein firmeneigenes Archiv befinde sich derzeit im Aufbau, erklärte Unternehmenssprecher Michael Eichel. So begann Klingebiel seine Arbeit im Bundesarchiv und in den Landesarchiven Wolfenbüttel, Hannover und einem kleineren Archiv in Sachsen-Anhalt. 

Der 1897 geborene Curt Mast war schon früh politisch aktiv. Mit 23 Jahren zog er für die DVP zum ersten Mal in die Stadtverordnetenversammlung ein und war bis 1933 auch als Schatzmeister der Partei aktiv. Als Mast 1933 aufgefordert wurde der NSDAP beizutreten, tat er dies, womöglich um sein Mandat behalten zu können, mutmaßte Thomas Klingebiel. Da Mast jedoch Mitglied einer Loge war, kam er nie über den Status eines Anwärters hinaus, war also zu keiner Zeit Vollmitglied. 

Curt Mast wurde später sogar zu einer neunmonatigen Haftstrafe verurteilt, da er für seinen Betrieb illegaler Weise Zucker bei einem Marmeladenhersteller aus Halle gekauft hatte. Da private Geschäfte zu dieser verboten waren, drohte ihm sogar der Weg ins KZ. 

Mast, der keine Kontakte zu Nazi-Größen pflegte, war auf lokaler Ebene um Begnadigung bemüht und stellte der NSDAP Büroräume zur Verfügung. Zwar mussten jüdische Familien aufgrunddessen ihre Häuser verlassen, eine Deportation sei jedoch zu keiner absehbar gewesen, erklärte Historiker Thomas Klingebiel. Mast war einer der ersten Unternehmer Deutschlands, die sich nach 45 für eine direkte Wiedergutmachung einsetzte. So sorgte er auch für die Rückerstattung jüdischen Eigentums und setzte sich als städtischer Wohnungsdezernent und Flüchtlingskommissar für die Integration von Geflüchteten ein. Zu dieser Zeit nahm die 40.000-Einwohnerstadt Wolfenbüttel 20.000 geflüchtete Menschen auf. „Sicherlich machte sich Curt Mast zu dieser Zeit nicht nur Freunde unter den Bürgern“, so der Autor. Ein Indiz dafür war das schlechte Wahlergebnis der CDU im Jahr 1952, für die Curt Mast noch bis 1967 politisch aktiv war. 

Zum Buch: Thomas Klingebiel. Curt Mast. Ein Unternehmer in der Politik, Wallstein-Verlag. 24,90 Euro. Erschienen im Mai 2017.


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