Von links: Andrea Reinhardt-Ziola, Leiterin des Frauenschutzhauses, Ute Klinge, Leitein der EFB sowie die Vorsitzenden des Fördervereins des Frauenschutzhauses Uschi Kröll, Dörthe Weddige Degenhardt und Gabriela Kiekenap.

Foto-Ausstellung in der Evangelischen Familien-Bildungsstätte

„Es ist gut, dass es Frauenhäuser gibt, weil...“, mit solch einer Botschaft in der Hand wurden die Gäste der Feierlichkeiten anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Frauenschutzhauses Wolfenbüttel im vergangenen Jahr von Sabine Resch-Hoppstock fotografiert. Sie erklären damit persönlich, warum sie das Frauenschutzhaus für wichtig halten. Ausgestellt sind die großformatigen gerahmten Bilder nun erstmal auf den Fluren der Evangelischen Familien-Bildungsstätte (EFB), wo sie während der bekannten Öffnungszeiten betrachtet werden können.

Zu sehen sind insgesamt 20 Fotos, die unter anderem Dörthe Weddige-Degenhard vom Förderverein des Frauenschutzhauses, Landrätin Christiana Steinbrügge, die Patientenfürsprecherin des Städtischen Klinikums Doris Liefner, den Vorsitzenden des AWO-Ortsvereins Hans-Joachim Kröger, Monika Rhode von der Polizei Wolfenbüttel, die Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Integration des Landkreises Elke Großer oder auch Falk Hensel, den Verbandssekretär des AWO-Bezirksverbands Braunschweig, mit ihren Statements für Frauenschutzhäuser zeigen.

Eröffnet wurde die Ausstellung am Freitag. Die Begrüßungsworte sprach Dörthe Weddige-Degenhard vom Vorstand des Fördervereins des Frauenschutzhauses. Sie erinnerte daran, dass die Ausstellung im Turm der Landkreisverwaltung in Wolfenbüttel startete, danach im Sickter Herrenhaus zu sehen war und auch schon im Schöppenstedter Rathaus gezeigt wurde. Sie berichtete, dass das Frauenschutzhaus im Jahre 2011 in die Obhut der AWO übergeben wurde und Platz für acht Frauen und zwölf Kinder biete. Finanziert werde es vom Land Niedersachsen und dem Landkreis Wolfenbüttel, dennoch sei man auf Spenden angewiesen, um vor allem den Bereitschaftsdienst aufrecht zu erhalten oder die Kinderzimmer zu gestalten, sagte Weddige-Degenhard.

Jährlich würden zwischen 50 und 70 Frauen und Kinder im Wolfenbütteler Frauenschutzhaus aufgenommen. Im vergangenen Jahr seien es 53 Frauen und 56 Kinder  gewesen, die bedroht wurden, die körperlicher und/oder psychischer Gewalt ausgesetzt waren, die unter Handykontrolle standen oder die Stalking ausgesetzt waren. Die Gründe seien vielfältig gewesen, berichtete Weddige-Degenhard. Die meisten Frauen würden sich statistisch gesehen erst nach acht Jahren der Gewalt trauen, den ersten Schritt zu machen und bräuchten meist sechs Anläufe bis zur Trennung. Um die Hemmschwelle zu senken, sei seit 2013 ein Hilfetelefon mit der bundesweiten Rufnummer 08000-116016 eingerichtet worden, das in 21 Sprachen Beratungsstellen, Frauenhäuser und Hilfsangebote vor Ort vermittele. Wie wichtig das Frauenschutzhaus ist, verdeutlichte Dörthe Weddige-Degenhardt mit dem Zitat einer ehemaligen Bewohnerin: „Das Frauenschutzhaus war eine Oase für mich. Hier bin ich zur Ruhe gekommen.“ 

Andrea Reinhardt-Ziola, Leiterin des Frauenschutzhauses, berichtete, dass sich die Frauen durchschnittlich vier Monate im Frauenschutzhaus aufhalten, viele würden aber auch nur für eine Nacht bleiben, andere dafür acht Monate. Beschäftigt sind im Frauenschutzhaus vier Mitarbeiter in Teilzeit, zweieinhalb in Vollzeit, der Bereitschaftsdienst und eine Hausmeisterin.

Darüber hinaus machte Reinhardt-Ziola auf die „Täterberatungsstelle“ in Wolfenbüttel aufmerksam, bei der sich Männer melden können, die künftig keine Gewalt mehr anwenden und stattdessen anders handeln möchten.


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