Lehrerin Benita Koch mit den Schülern Mathias Lagosky, Robert Zorn und Maurice Köchy (von links) von der HRS Sickte an der Gedenkstätte in Scheppau.

Gedenkfeier am ehemaligen Konzentrationslager Schandelah-Wohld

Zum ersten Mal begann die alljährliche Feier zum Gedenken der Opfer des ehemaligen Konzentrationslagers mit der Kranzniederlegung an der Gedenkstätte in Schandelah-Wohld. Die Gäste, u.a. auch wieder aus Belgien und Frankreich, wurden durch Bürgermeister Detlef Kaatz und den stellvertretenden Landrat Uwe Schäfer am Gedenkstein begrüßt und über den vor 70 Jahren stattgefundenen Schandelaher Kriegsverbrecherprozess informiert.

Am 2. Mai 1947 wurden vier Mitglieder der SS-Wachmannschaften in Hameln hingerichtet. Bürgermeister Kaatz hob in seiner Rede die Wichtigkeit von Freundschaften zwischen den Menschen in Europa hervor. Diese trügen zur „Verständigung zwischen den Völkern“ bei und helfen somit auch, die „europäische Idee weiter mit Leben zu erfüllen“.

Die eigentliche Gedenkfeier fand zum ersten Mal in der Friedhofskapelle in Scheppau statt. Dort befinden sich noch 97 Gräber von überwiegend unbekannten Gefangenen aus zehn Ländern, die von der Reservistenkameradschaft Rotenkamp gepflegt werden.

Alexander Hoppe, Bürgermeister der Stadt Königslutter, appellierte in seiner Rede daran, „die Geschehnisse von damals nicht zu vergessen oder zu verdrängen. Populistische und rechtsradikale Kräfte haben aus der Geschichte nichts, aber auch gar nichts gelernt.“

Marc Kenens, Vizepräsident der Amicale Neuengamme Belgien, bedankte sich im Namen aller Gäste aus Belgien und Frankreich, dass den Geschehnissen von damals alljährlich mit einer würdigen Feier gedacht werde. Außerdem würde er sich freuen, wenn eine Delegation aus der Gemeinde Cremlingen und der Stadt Königslutter nächstes Jahr an der Gedenkfeier in Meensel-Kiezegem in Belgien teilnähme.

Für die musikalische Untermalung der Gedenkfeier sorgte Ulrich Kleinfeldt, der mit seinem Saxophon Teile der Trauermusik von Paul Hindemith spielte.

Im Rahmen der Feier beteiligten sich erstmals drei Schüler der 9. Klasse der Haupt- und Real- schule Sickte mit ihrer Lehrerin Benita Koch und informierten über ihr Schülerprojekt, das sich mit der Geschichte des Lagers beschäftigt.

Maurice Köchy, Mathias Lagosky und Robert Zorn berichteten von ihrer bisherigen Arbeit, in der die Erinnerungen von Victor Malbecq, einem ehemaligen Gefangenen des KZ, eine wichtige Rolle spielen. Die Ergebnisse ihrer Arbeit sollen demnächst in einer Ausstellung in der Schule präsentiert werden.

Für den Nachmittag hatte die Gemeinde für die auswärtigen Gäste einen Besuch des Doms und des Mahnmahls „Weg der Besinnung“ in Königslutter organisiert. Die Gäste waren von der Darstellung der Aufarbeitung des Themas „Euthanasie und Zwangssterilisation“ sehr beeindruckt. Bei einem gemeinsamen Kaffeetrinken klang der Besuch aus.


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