Am Senioren- und Pflegewohnheim „Steinhäuser Gärten“ wurden Sand­sack-Barrieren aufgestellt und das Wasser wird umgepumpt.

Katastrophenalarm für Landkreis ausgelöst

Nachdem sich am Donnerstagnachmittag die ersten Überschwemmungen der Innenstadt am Rosenwall und im Bereich Germania-Sportplatz/am Pflegeheim „Steinhäuser Gärten“ zeigten, war schnell klar, dass in diesen Bereichen bei steigendem Wasserstand eine Evakuierung nötig war.

Am Abend, nach weiter steigenden Überschwemmungen und zunehmender Erschöpfung der örtlichen Einsatzkäfte, wurde um 21.21 Uhr der Katastrophenfall festgestellt und ein Stab eingerichtet. Der Katastrophenstab des Landkreises wurde im Wolfenbütteler Rathaus tätig. Von hier koordinierte er zentral die weiteren Einsätze und Hilfsmaßnahmen. Zum Krisenstab gehören Vertreter der Verwaltung, unter anderem der Wolfenbütteler Bürgermeister Thomas Pink und Landrätin Christiana Steinbrügge, Jörg Koglin, Leiter des Katastrophenstabs, sowie Vertreter der beteiligten Einsatzkräfte. Weitere überörtliche Hilfskräfte wurden angefordert.

„Wir haben weitere Einsatzkräfte aus den umliegenden Kommunen, Salzgitter und Gifhorn beispielsweise hinzugezogen. Wegen der Notwendigkeit der zentralen Leitung habe ich den Katastrophenfall festgestellt“, erklärt Christiana Steinbrügge.

Thomas Pink verdeutlichte: „Am Donnerstag um 11.30 Uhr hatten wir die erste Lagebesprechung, danach ist die Lage explodiert. Die erhoffte Entspannung der Hochwassersituation erfolgte nicht, um halb vier wurde der Rosenwall in Wolfenbüttel überschwemmt. Die Situation in der Innenstadt ist kritisch.“ 

Am Rosenwall mussten im Verlauf des Abends rund 30 Anwohner evakuiert und mit Bussen ins Jugendgästehaus gebracht werden. Die untere Ebene des  Parkhauses lief voll. Das Pflegeheim wurde teil-
evakuiert. 20 Bewohner der unteren Etage, zum Teil stark pflegebedürftig, wurden in das Städtische Klinikum Wolfenbüttel gebracht. Der Scheitelpunkt des Wasserpegels war zu diesem Zeitpunkt noch nicht erreicht. Ein weiterer Anstieg wurde erwartet. Der Einsatzschwerpunkt der Kräfte lag in der Innenstadt.

Am Freitag ab 0.15 Uhr waren 110 Feuerwehreinsatzkräfte der Feuerwehrbereitschaft Gifhorn im Einsatz. Die Feuerwehrbereitschaft Ost des Landkreises Wolfenbüttel war mit 85 Personen im Einsatz, ebenso die Radladergruppe aus Helmstedt. Das DRK Wolfenbüttel war mit rund 30 Personen im Dienst.

„Wir haben aktuell drei Schwerpunktbereiche, die zurzeit abgesichert sind, aber unter ständiger Kontrolle stehen müssen“, berichtet Pink am Freitagmorgen, „dazu gehört der Germania-Sportplatz mit dem angrenzenden Pflegeheim, an dem ein Wall errichtet und Pumpen im Einsatz sind. Der Rosenwall ist der zweite kritische Punkt. Das Wasser steigt zwar nicht mehr, hält dort aber stabil den hohen Pegel. Der dritte Punkt ist der Ortsteil Groß Stöckheim. Neben der Oker fließt dort auch der Brückenbach und so drückt das Wasser hier in den Ort herein. Ein gefährdetes Fachwerkhaus wurde von den Ka-meraden vor Ort abgesichert. In der letzten Nacht waren insgesamt 600 Einsatzkräfte im Einsatz. Unser Dank gilt allen Helfern“, ergänzt Pink. 

Nach Einschätzung des Stabes am Freitag, unter Berücksichtigung des bisherigen Verlaufs und der starken zeitlichen Verzögerung der Wasserstände, seien zwar keine steigenden Pegel mehr zu erwarten, allerdings rechne man erst ab dem heutigen Sonntag mit deutlich sinkenden Pegeln und somit auch mit einer Entspannung der Lage allgemein. 

„Wir können aus heutiger Sicht sagen, dass wir aktuell vom Pegel Ohrum ausgehend erst gut  22 Stunden später eine Veränderung in Wolfenbüttel feststellen. In Ohrum ist seit heute bis morgen Mittag die Prognose unverändert bei 4,30 Meter Pegelstand. Wenn wir dann die 22 Stunden Nachlauf rechnen, werden wir mit den jetzigen Ständen noch weiterhin zu tun haben. Also gilt die Schätzung, bis Sonntag noch nahezu die gleiche Situation wie heute zu haben. Wenn das Wetter nicht schlechter wird, könnte ab Sontag eine Verbesserung eintreten“, erläutert Matthias Tramp, Geschäftsführer der Stadtwerke Wolfenbüttel am Freitag. 

Im Verlauf des weiteren Freitagnachmittags hat Landrätin Christiana Steinbrügge nach Beratung um 15.50 den Katastrophenfall in Wolfenbüttel aufgehoben. 

Die Lage in Wolfenbüttel sei stabil. Am Pflegeheim haben neu eingesetzte Pumpen des THW die Situation deutlich entspannt. Der Wasserstand ging laut THW um rund 30 Zentimeter zurück. Mit Einverständnis der Landrätin wurde beschlossen, die zuvor evakuierten Bewohner in das Pflegeheim zurückzubringen. Eine absolute Gefährdung hätte nicht bestanden, aber eine Evakuierung war dennoch gerechtfertigt, erklärte Jörg Koglin, Leiter des Katastrophenstabes.

Die Situation im Rosenwall sei derzeit nicht zu beeinflussen. Dort müsse auf das Abließen des Wassers gewartet werden. Frühestens Sonntag sei eine Rückkehr der Anwohnerinnen und Anwohner des Rosenwalls möglich. Sobald wie möglich sollen das Parkhaus, die Große Schule sowie Gebäudekeller ausgepumpt werden. Die Lage in Groß-Stöckheim, Am Bache, sei ebenfalls stabil.

Bürgermeister Thomas Pink, Landrätin Christiana Steinbrügge und Stabsleiter Jörg Koglin sprachen allen Einsatzkräften und Helfenden für Ihre Arbeit ihren besonderen Dank aus. 


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