1.000 Euro fließen ebenfalls nach Evessen. Christiane Wagner-Judith (l.) als Vorsitzende des Dorfentwicklungsausschusses sowie Bürgermeisterin und gleichzeitig Trägerin des Wettbewerbs, Dunja Kreiser nahmen das Preisgeld und die Urkunde freudig entgegen.

Preisverleihung des Dorfwettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“

Dass die Dörfer im Landkreis Wolfenbüttel alle auf ihre eigene Art idyllisch, liebenswert und außergewöhnlich sind, ist selbstredend. Und auch das gesunde Wachstum ist ein klares Zeichen einer guten Entwicklung und eines intakten Vereinslebens. Landflucht, Rückkehrwilligkeit, Familiengründung und Perspektiven sind Schlagwörter, die man schnell in Verbindung bringt. Haben die Dörfer im Landkreis also Zukunft? Um dies klar zu beweisen, hatte der Landkreis Anfang des Jahres wieder den beliebten Dorfwettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ ausgelobt.

Bis Ende April konnte man sich bewerben, am 15. August fand schließlich die Begehung der 13-köpfigen Jury statt. Am Ende gab es drei klare Sieger. Evessen und Winnigstedt landeten mit gleicher Punktzahl auf Platz eins, Sonderpreisgewinner wurde Neuerkerode. Die Preisverleihung fand schließlich am Donnerstagabend im Dorfgemeinschaftshaus in Winnigstedt mit Vereinsvertretern, der Jury und weiteren Gästen statt. Landrätin Christiana Steinbrügge war die Freude bei der Ehrung anzusehen. Doch zunächst hatte erst einmal Ortsbürgermeister Michael Waßmann das Wort.     

„Wann hat ein Dorf Zukunft?“, fragte Waßmann. Dann wenn es neugierig mache, wenn es attraktiv für junge und alte Menschen gleichermaßen ist. Fahrtwege bis zur Arbeit spielten eine große Rolle und auch, ob es Läden gebe, die den täglichen Bedarf decken können. „Dörfer haben Zukunft, wenn sie den Menschen eine Perspektive geben können. Man muss sich mit seinem Dorf identifizieren können.“ Wenn es gelinge, dass Menschen sich im Vereinsleben engagieren und Verantwortung übernehmen, schaffe man einen wichtigen Baustein einer Dorfentwicklung. In seiner Rede hob der Bürgermeister auch die Mobilisierung der Winnigstedter hervor. „Manchmal ist es schwer, die Menschen aus der Reserve zu locken. Wir haben es aber geschafft. Wir haben gezeigt, dass es uns gibt“, betonte er. Nun soll es aber auch noch weitergehen. Mit vereinten Kräften wolle man am Landeswettbewerb teilnehmen.

Für Evessen hingegen, das bereits zweimal am Kreiswettbewerb teilnahm, soll an dieser Stelle zunächst Schluss sein. „Wir machen natürlich weiter, aber in einer anderen Form“, berichtete Bürgermeisterin Dunja Kreiser. „Wir sind ein Dorf, das viel vorhat und auch in der Zukunft weitermacht.“ Man müsse Ideen entwickeln und danach umsetzen. Dies hätten jetzt die Bewohner des Elmdorfes vor. Dahingehend soll es auch eine Dorfbefragung geben. Gewerbe, Vereine, Kita, Feuerwehr, Radweginitiative und noch viele weitere Gruppen hätten alle an einem Strang gezogen, sodass diese Platzierung zustande gekommen sei, lobte Kreiser.  

Marcus Eckhoff, Geschäftsführer der Evangelischen Stiftung Neuerkerode, betonte gleich im ersten Satz seiner Rede: „Unser Dorf hat Zukunft“. Über 700 Menschen leben in dem inklusiven Dorf. Im nächsten Jahr soll das 150. Dorfjubiläum gefeiert werden. Eckhoff nannte fortlaufende Investitionen in Neubauten und Energetische Sanierungen in Zusammenarbeit mit Hochschulen, den beliebten Weihnachtsmarkt und das Sommerfest als wichtige Punkte der Zukunftsfähigkeit. Für Menschen mit Handicap biete das Dorf allerlei. „Unser Jugendclub quillt aus allen Nähten, so beliebt ist er“, verriet er und nannte viele erfreuliche Gründe. „Wir tun viel dafür, dass sich alle bei uns wohlfühlen.“ Die älteste Bewohnerin sei aktuell 92 Jahre alt. 

Nach einer Linedance-Vorführung des TSV Winnigstedt übernahm Land-rätin Christiana Steinbrügge das Wort. „Es war ein knappes Rennen“, sagte sie über die Platzierungen. Es sei durch den Kreiswettbewerb wieder einmal gelungen, dass Bewohner ihren Lebensraum mitgestalten. „Eine aktive Dorfgemeinschaft ist heute mehr als Gold wert.“ Dazu zähle der Sportverein gleichermaßen wie der Kirchbauerverein oder Seniorenkreis. Die Orte schafften es, dass Familie und Beruf in Einklang gebracht werden. „Winnigstedt ist ein Dorf, dass sich nicht unterkriegen lässt“, sagte die Landrätin und meinte damit die jüngst gegründete Stiftung zur Erhaltung der dorfeigenen Grundschule. Auch lobte sie das grüne Ortsbild. „Vom Ortsrand bis ins Dorfzentrum findet man zahlreiche und gut gepflegte Grünflächen. Das ist nicht nur was fürs Auge“, lobte Steinbrügge.

Evessen habe viele wirtschaftliche Punkte in der Bewertung erzielen können. „Es ist beeindruckend, wie viele Läden sich in Evessen befinden. Hier finden Bürger alles, was sie brauchen“, freute sie sich. Sie betonte auch das Tumulus-Netzwerk. Engagierte Einwohner würden sich darin mit Dorfentwicklungshemen, wie generationsübergreifendes Wohnen und Mobilitätslösungen beschäftigen. „Ich kann deshalb sehr gut nachvollziehen, warum man sich in Evessen wohlfühlt.“

In Neuerkerode lobte sie die Vorbildfunktion „Neuerkerode 2050“, ein Modellprojekt für nachhaltiges und umweltbewusstes Handeln, das von der deutschen Bundesstiftung für Umwelt gefördert werde. Auch sprach sie ihre Anerkennung für die inklusive Fußball- und Theatermannschaft aus. „Neuerkerode hat eine funktionierende und sehr lebendige Dorfgemeinschaft“, beendete sie ihre Rede. 

Die Landrätin überreichte an Evessen und Winnigstedt ein Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro. „Zusätzlich erhalten die beiden Dörfer einen Moderationsprozess zum Thema „Denk dein Dorf“, indem die Dorfgemeinschaft dabei unterstützt werde, ihr Dorf weiterzuentwickeln.“ An Neuerkerode überreichte Steinbrügge einen Sonderpreis in Höhe von 500 Euro.  Der Abend klang in Winnigstedt mit einem gemeinsamen Abendessen und einer humoristischen Einlage von Marc Germer aus. Er erzählte Geschichten über Winnigstedt von damals. 


ANZEIGE