Die International Living History Group zeigte die Organisation im Felde.

Großer Andrang bei neuer Sonderausstellung im Heimathaus

Viele interessierte Besucher kamen zur Eröffnung der neuen Ausstellung „Schladen zwischen 1930 und 1948“. Damit schloss der Förderkreis eine wichtige Lücke in der Schladener Geschichte im Heimathaus, wie die 1. Vorsitzende Dorothee Schacht in ihrer Rede bekräftigte.

Ortsbürgermeister Wiechens lobte den Einsatz und den sensiblen Umgang mit dem heiklen Thema. Als Bereicherung für die Ausstellung brachte er die Jubiläumsschrift zum 125-jährigen Bestehen des Schladener Schützenvereins mit, in welcher der Verein im Dritten Reich ein Thema ist. Auch schenkte er dem Verein Stellwände für spätere Ausstellungen. Die 1. Vorsitzende dankte ihm herzlich dafür.

Dann stellte sie die Gruppe „International Living History“ mit dem Schladener Michael Bardowiecks vor. Mit ihren authentischen Ausstattungen und ihrem Wissen, machten die fünf Darsteller das Leben im Felde im Zweiten Weltkrieg etwas nachvollziehbarer.

Dorothee Schacht erklärte, dass in der Ausstellung alle Facetten der nationalsozialistischen Zeit in Schladen anhand von vielen Fotos und Exponaten beleuchtet werde. Für die Ausarbeitung und den Aufbau der Ausstellung dankte sie besonders Hans-Gert Hotop und für die Ausgestaltung Christel Hotop.

Hans-Gert Hotop konnte als Zeitzeuge von damals vieles noch aus seiner Kindheit berichten. Er stand dafür in der Ausstellung Rede und Antwort. Damals hatte er auch die Flugzeuge am Himmel über Schladen gehört und gesehen, deren Modelle an den Balken hängen.

Auf den Stellwänden konnten die Besucher die Veränderungen von 1933 bis 1939 lesen, die Bürgermeister Ewe aufgeschrieben hatte, wie z.B. der Neubau der Oker- und der Weddenbrücke. Durch die neue Luftbildfotografie konnten damals die großen Ausmaße der Werla erst entdeckt werden und die erste Ausgrabung stattfinden. Daneben ist die Situation in der Zeit des Zweiten Weltkriegs ab 1939, darunter auch die der Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, beschrieben und die Namen der gefallenen Schladener Soldaten haben dort auch ihren Platz.

Ein bemerkenswertes Exponat ist eine Milchzentrifuge, die am 5. April 1935 von Hildesheim zum Bahnhof Gielde geliefert wurden war. Dieses beweist der Aufkleber auf der Originalkiste. Bei den Dokumenten sind Feldpostbriefe und Ausweise zu sehen. Volksempfänger, Uniformen und verschiedene Armbinden, Abzeichen und Orden gehören auch dazu.

Mit ideologisch geprägten Beispielen und Bildern in Schulbüchern wurden in der sogenannten Hitlerzeit die Schüler mit dem Krieg und dessen Unterstützung vertraut gemacht. So wurden sie im guten Glauben an die Sache erzogen und auf den Kampf vorbereitet.

Einige Schladener, die Widerstand leisteten, kamen nur durch Glück mit dem Leben davon, wie der Bauer Hermann Schacht. Als Veteran und im Ersten Weltkrieg verwundet, stand ihm das Ausmaß der Zerstörung der Dörfer vor Augen, die sich gegen die Einnahme wehrten. Als ein Schladener zur Gegenwehr kurz vor dem Einmarsch aufrief und auf die Amerikaner schießen wollte, erklärte Hermann Schacht, dass er auch ein Gewehr hätte und er würde ihn notfalls erschießen, um das zu verhindern. Der damalige Ortskommandant benachrichtigte daraufhin die Feldjäger, die Hermann Schacht direkt an der Scheune von Warnecke erschießen wollten. Nur durch den Einsatz der Nachbarn und die heranrückenden Amerikaner konnte dieses verhindert werden.

Die Ausstellung weckte bei vielen Älteren Erinnerungen von damals und manche erzählten ihre bewegenden Geschichten. Die Trümmerteile und der Absturzbericht eines abgeschossenen amerikanischen Bombers, der 1944 ins Sudholz gestürzt war, stand sehr im Interesse der Gäste. Eine Besucherin erzählte, dass sie mit ihrer Mutter beim Kartoffelnlesen am Rande des Sudholzes von dem Bomber überrascht wurde und sich zwischen die Bäume flüchtete. Durch die Druckwelle des Absturzes wurde ihre Mutter in den Graben und sie gegen einen Baum geschleudert, wobei sie sich das Gesicht aufschlug. Ihr Vater war als Wachmann bei inhaftierten Schladener Kommunisten eingesetzt. Als er „seinen Nachbarn“ Zigaretten gab, wurde er strafversetzt und starb später im Krieg.

Bei der Karte der Bombentreffer auf Schladen war Frau Bartels ergriffen. Dort war auch die Bombe verzeichnet, die ohne zu explodieren bis in den Keller gefallen war, indem sie als Baby in einem Wäschekorb gelegen hatte.

Über weitere Geschichten von damals würde sich der Förderkreis zur Ergänzung der Geschichte freuen.

Die Ausstellung ist noch am 1. und 2. Advent, am 7. Januar und 4. Februar 2018 jeweils von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Für Sonderführungen kann man sich bei Hotop unter Telefon 05335/1247 melden.


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