Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Dirk Hausmann, Geschäftsführer Axel Burghardt, Landrätin Christiana Steinbrügge, Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Pink sowie Staatssekretär Jörg Röhmann beim 125-jährigen Jubiläum.

125 Jahre Städtisches Klinikum Wolfenbüttel

125 Jahre gibt es jetzt schon ein städtisches Klinikum in Wolfenbüttel – und das ist auch gut so und soll so bleiben. Dieses Fazit lässt sich nach der Jubiläumsfeier eindeutig ziehen. Das Haus stehe mit einer 95-prozentigen Belegung gut da und werde von der Bevölkerung aus Stadt und Landkreis gut angenommen. Der medizinische Fortschritt werde hier so schnell wie möglich umgesetzt, was für die Patienten neben der Menschlichkeit und guten Pflege letztendlich das Wichtigste sei.

Die Digitalisierung macht auch vor dem deutschen Gesundheitswesen nicht Halt. Am Städtischen Klinikum Wolfenbüttel gibt es ein elektronisches Medikamentensystem. Doch das reicht nicht. Das Krankenhaus soll papierarm werden. Unter dem Strich soll das Klinikum zukunftsfähig werden, demnach digitalisiert. Dass die Gesundheitseinrichtung im Landkreis Wolfenbüttel in den letzten 125 Jahren nicht geschlafen hat, sondern in seinem Jubiläumsjahr ansonsten prächtig dasteht und weiter denkt, kam am Mittwochabend bei der Feierstunde vor Ort immer wieder deutlich zum Vorschein.

Das Krankenhaus hat viele Ziele. Das wichtigste, über allen anderen stehende: „Wir wollen die gute Qualität der Medizin und Pflege so hoch wie möglich halten“, erklärte Geschäftsführer Axel Burghardt in seinem Vortrag zum Thema „Die Strategie des Städtischen Klinikums Wolfenbüttel im regionalen Wettbewerb am Gesundheitsmarkt“. Der Mensch stehe im Mittelpunkt „und nicht die Rendite“. Seit 125 Jahren kümmere sich das Städtische Klinikum um die Bevölkerung.  

Thomas Pink, Bürgermeister der Stadt und Aufsichtsratsvorsitzender, stellte den „guten Ruf über Wolfenbüttel hinaus“ klar. In Zeiten von Klinikprivatisierungen gehen die Wolfenbütteler ihren Weg weiter. „Wir sind deshalb so gut, weil wir eine kommunale Einrichtung sind“, unterstrich Pink, „und das wird so bleiben.“ 750 Beschäftigte setzten sich für die Menschen ein – und das Krankenhaus liefere „Hochleistungsmedizin“, wie Staatssekretär Jörg Röhmann anmerkte. „Sie haben ihre Hausaufgaben gemacht“, rief er dem Jubilar zu. 

Und auch die Landrätin sieht die Rolle der Einrichtung positiv. Das Klinikum könne „Vordenker, Vorreiter und Vorbild eines zukunftsfähigen Gesundheitswesens sein“, sagte Christiana Steinbrügge. 

Angefangen hat alles zu Zeiten, in denen, weit weg von der Digitalisierung, noch andere Probleme herrschten. Ende des 19. Jahrhunderts, zur Kaiserzeit um 1892,  kämpfte das Land noch mit Cholera, in dem Jahr starben in Hamburg 8.600 Menschen an der Epedemie. In Wolfenbüttel, auch nicht von der Pest verschont, durfte ein Krankenhaus gebaut werden, an der Jägerstraße entstand ein zeitgemäßer Neubau.  Zuvor gab es nur eine Armenanstalt und ein Militärlazarett. Über beide Weltkriege hinweg wurden Menschen versorgt, die Liegezeiten waren früher freilich länger als heute – Anfang des 20. Jahrhunderts im Schnitt 30 Tage. „Wer im Krankenhaus war, blieb lange liegen“, berichtete der heutige Ärztliche Direktor Prof. Dr. Dirk Hausmann in seinem Vortrag „125 Jahre Städtisches Klinikum Wolfenbüttel: die Entwicklung aus der Sicht des Mediziners“. „Das wäre der sofortige Ruin“, fügte er mit einem Lachen in Richtung Geschäftsführer Burghardt an. Krankenhäuser sind heute auch Wirtschaftsbetriebe, wenngleich bei den Wolfenbüttelern das Menschliche groß geschrieben wird.  Für das neue Krankenhaus am Alten Weg musste investiert werden. 1971 stand der Neubau, über die Jahre wurde angebaut, neu gebaut und modernisiert. 15.000 Patienten im Jahr werden heute versorgt. „Ich möchte mich im Namen aller Bürger des Landkreises Wolfenbüttel bedanken“, zollte Steinbrügge der Einrichtung Respekt.  Dem Klinikum wird auch weiterhin vom Förderverein des Städtischen Klinikums unter die Arme gegriffen. Vorsitzende Dörthe Weddige-Degenhard versprach „das Klinikum tatkräftig weiter zu unterstützen“. Der Verein setzt sich durch Beiträge und Spenden für Anschaffungen, wie etwa eine Spielecke für Kinder, ein. Geld wird das Krankenhaus auch beim Zukunfts-Thema Digitalisierung einsetzen müssen. Wie sagte es Hausmann: „Ich denke, das deutsche Kinderzimmer ist besser digitalisiert als das deutsche Krankenhauszimmer.“


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