Mitglieder der Fachgruppe (von links) Monika Hartwig (pro familia), Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Susanne Löb, Heike Küsel (Jugendhilfe Wolfenbüttel), Simone Wieczorek (Lukas-Werk), Heidrun Ripke (EFB), Doris Liefner und Karola Evers (rechts, Heilpraktikerin) mit Beate Ziehres (2. von rechts, Autorin und Journalistin), die als Referentin an der Veranstaltung teilnahm. Es fehlten Sabine Resch-Hoppstock (Heimleitung), Heiderose Fritzsche (Diakonie) sowie Andrea Reinhardt-Ziola (AWO Frauenschutzhaus).

Veranstaltung der Fachgruppe Frauengesundheit des Sozialpsychiatrischen Verbundes

Gut 50 Teilnehmer nahmen am Freitag im Kunstfoyer des Schlosses an einer Veranstaltung der Fachgruppe Frauengesundheit des Sozialpsychiatrischen Verbundes Wolfenbüttel teil. Das Thema, um das es ging, betrifft in unserer heutigen Zeit und Gesellschaft viele, vor allem Frauen – „Bin ich schön? Körperkult und Körperoptimierung“ lautete der Titel der Veranstaltung.

91 Prozent aller deutschen Frauen sind mit ihrem Körper unzufrieden, 90 Prozent der Fälle von Magersucht und Bulimie betreffen Frauen, 49 Prozent aller Deutschen lassen regelmäßig Schönheitseingriffe vornehmen, 45 Prozent aller Frauen mit einem gesunden Gewicht denken, sie seien übergewichtig und mehr als 1,8 Milliarden Euro werden in Deutschland jedes Jahr für Diätmittel ausgegeben – erschreckende Zahlen und ein alamierender Trend!

Immerhin, es gibt mittlerweile nicht nur „Germany`s Next Topmodel“ sondern auch „Curvy Supermodels“. „Doch geht es bei beiden um Schönheit, Frauen stehen im Fokus“, sagt Susanne Löb, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Wolfenbüttel. Castingshows im Fernsehen, wie die beiden genannten, seien Formate, die vor allem jungen Frauen noch einmal den Spiegel vorhalten. Den Spiegel, den sie sich selbst, mitunter täglich, vorhalten. Aber nicht nur, um zu schauen, ob alles sitzt, sondern um grundsätzliche Fragen über ihr Äußeres zu erörtern. 

„Kein Mädchen ab 13 Jahren findet sich schön“, macht Monika Hartwig von pro familia an Schulen aus. Sie wollen früh ihr Äußeres verändern, obwohl sie noch keine „innere Stabilität“ haben, wie Karola Evers, Heilpraktikerin für Psychotherapie, anmerkt. Sie spricht vom „Tannenbaum-Effekt“. Nach dem Motto: Außen alles schön, doch innen krankt es. Dabei müssen Mädchen Zeit haben „sich zu entwickeln und zu behaupten“, erklärt Evers. 

Bei den Mädchen haben die Erziehungsberechtigten eine große Aufgabe. „Eltern sind Rollenvorbilder“, macht Löb klar. Aber das Thema betrifft nicht nur Mädchen und junge Frauen, sondern auch ältere und Senioren. Laut Sabine Resch-Hoppstock, Heimleiterin Seniorenbetreuung Schloss Schliestedt, müsse man diesen „stärkeres Selbstbewusstsein für das eigene Leben“ geben.  

Die Veranstaltung mit verschiedenen Progammpunkten soll für das Thema sensibilisieren. Dabei ging die Referentin, Autorin und Journalistin Beate Ziehres, in ihrem Vortrag auch auf den Status Quo und Trends wie die Wespentaille ein, zeigte aber auch Lösungen auf. 

Auch der Aspekt Sucht wurde in Augenschein genommen. Dabei wurde klar, dass es viele „Beauty-
Süchte“ gibt, wie beispielsweise übertriebene Fitness oder Bräune. Auffällig ist, dass immer mehr junge Menschen schon dem „Schönheitswahn“ erliegen, Körperoptimierung anstreben und sich sogar zum Beispiel zum 16. Geburtstag Schönheits-OPs wünschen. 

Gezeigt wurde auch der Film „Embrace – Du bist schön“ von Taryn Brumfitt, der dieses Jahr seinen Kinostart hatte und für ordentlich Furore sorgte. 

In ihrer Dokumentation untersucht die australische Fotografin die Folgen des Schönheitswahns. Denn die andauernde mediale Verbreitung dieser Ideale hat schwere Konsequenzen – vor allem Frauen lernen früh, ihren Körper zu hassen und entwickeln psychische Krankheiten, Esstörungen oder Depressionen, weil sie denken, einem irrealen Schönheitsbild entsprechen zu müssen. Brumfitts Dokumentation untersucht, wie diese Entwicklung umgekehrt werden kann, um stattdessen ein positives Körperbild zu entwerfen. Immerhin ist die Schönheit eines der größten Tabus unserer Gesellschaft. In ihrer Dokumentation reist Brumfitt um die Welt, um außergewöhnliche Frauen zu treffen, die von ihrer Auseinandersetzung mit dem eigenen Körperbild sprechen.

Im Anschluss an die spannende Dokumentation hatten die Teilnehmer der Veranstaltung noch Zeit, sich bei einem leckeren Buffet und vielen Gesprächen untereinander auszutauschen und waren sich abschließend einig: „Wir sind schön!“ 


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