Pastorin Angelika Meiners beendet nach 15 Jahren Amtszeit ihre Kirchenarbeit in Veltheim und Schulenrode. Unser Foto zeigt die Pfarrerin an der St. Georg Kirche in Schulenrode – ihrem Heimatort.

Nach 15 Jahren beendet Pastorin Angelika Meiners ihre Kirchenarbeit

Leicht fällt es ihr ganz und gar nicht. Das wurde in dem Gespräch mit unserer Zeitung schnell klar. Es ist ein Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Der letzte Gottesdienst des evangelischen-lutherischen Pfarrverbandes Veltheim mit Schulenrode mit ihrer langjährigen Pastorin Angelika Meiners rückt in greifbare Nähe: Am Sonntag, 28. Januar, wird sie zum letzten Mal im Veltheimer Gotteshaus mit der Gemeinde in ihrem Amt feiern (Beginn 15 Uhr).

Es ist Freude und Traurigkeit zugleich“, sagte sie. Seit August 2003 ist Meiners in beiden Orten als Pfarrerin tätig. Sie belegt mit beiden Wirkstätten zusammen eine halbe Pfarrstelle. In Veltheim gehört dazu auch die Tätigkeit im Kindergarten „Ohezwerge“, denn dort ist die Kirche der Träger der Einrichtung. Mit der anderen halben Stelle ist Sie am Wilhelm-Gymnasium in Braunschweig als Schulpfarrerin seit Herbst 2010 angestellt. „Mein Leben ist ein Wechsel aus Schule und Kirche“, sagte sie schmunzelnd. In der Schule ist sie neben dem Religionsunterricht auch für Seelsorge und Gottesdienste zuständig. 

Im Mai vergangenen Jahres hatte sie ihre Entscheidung den beiden Kirchenvorständen mitgeteilt und das weitere Vorgehen natürlich auch mit der Landeskirche besprochen. Die Schulstelle hat sie dort erst kürzlich für weitere drei Jahre verlängert, denn an den Ruhestand möchte sie noch nicht denken Mit einer 50-Prozent-Anstellung will sie die Arbeit am Gymnasium wie bisher fortführen. Doch was bewegt Angelika Meiners nun zu diesem Schritt? 

Zusammengefasst sind es Umstrukturierungsmaßnahmen, die die Arbeit zeitintensiver machten. „Die Kirchen müssen Strukturveränderungen vornehmen“, führte die 59-Jährige aus. Die Landeskirche schreibe vor, dass Gestaltungsräume (Fusionen) gebildet werden müssen, bei zeitgleicher Reduzierung der Pfarrstellen. In manchen Ortschaften der Landeskirche sei dies schon geschehen. „Für die Propstei Königslutter bedeutet dies für den Bereich Mitte (erstreckt sich von Volksmarode bis Erkerode), dass von 6,5 Pfarrstellen auf fünf gekürzt werden müssen“, erklärte sie. Dadurch, dass Meiners ihren Dienst beendet und weil Erkerode/Lucklum ebenfalls weiterhin unbesetzt bleibe, sei die Zahl fünf zu erreichen. Das bedeutet also, dass es in jedem Fall keinen Nachfolger für Meiners geben werde. „Im neuen Gestaltungsraum wird es zu einer Neuordnung der Kirchengemeinden kommen.“ Die Propstei sitze schon regelmäßig zusammen und berate intensiv über die Situation. Manche Ideen seien aber nur Tropfen auf einen heißen Stein. Die Kirche sei im spürbaren Wandel.  

Es seien vor allem Vertretungsdienste, ein ständig wachsender Verwaltungsakt und ebenfalls kontinuierliche Veränderungen im Kindergarten, die mehr Kräfte abforderten. „Es ändert sich so viel von Jahr zu Jahr“, beschrieb die Schulenröderin, die seit 1991 mit ihrem Ehemann Burkhard (64) dort lebt. „Man möchte ja auch immer, dass es den Kindern gutgeht und seine Arbeit ordentlich machen.“ Lange hat sie deshalb nachgedacht und immer wieder mit sich gehadert. Schließlich bleiben die erlebten Momente nach dem Theologiestudium und dem zweiten Examen 1985 unvergesslich. Seit über 33 Jahren ist sie in der Kirchenarbeit tätig. Vor der jetzigen Schulstelle hat sie auch fast zehn Jahre am Gymnasium Kleine Burg und auch drei Jahre an der Fachschule Heilerziehungspflege in Sickte unterrichtet, wodurch der Erfahrungsschatz ständig wuchs. 

Eindrucksvoll und leidenschaftlich erklärte Meiners im Gespräch von den toller Veranstaltungen in beiden Ortschaften. Gerne wirkte sie bei den Gemeindefesten in Veltheim mit. „Chöre, Kirche und Kindergarten waren alle immer mit dabei. Das habe ich immer sehr gerne gemacht“, freute sie sich. In Schulenrode sei zwar alles immer etwas kleiner, aber dennoch mit voller Hingabe veranstaltet. Sei es das Kirchenkaffee im Grünen, das Kirchenkino oder auch andere feste Termine im Kalender. „Das ganze Dorf war auf den Beinen“, betonte die Pfarrerin. Aber auch das Lutherfest, bei dem beide Orte mitwirkten, bleiben ihr in Erinnerung. „Es ist eine gesellige Kombination aus Essen, Feiern und Spielen“, lachte sie. Weit über 30 Paare konnte sie in ihrer Amtszeit am Altar zusammenführen und jährlich waren es auch über zehn Taufen. Die Goldenen und Diamantenen Hochzeiten liegen ihr auch heute noch sehr am Herzen und nicht zu vergessen die Geburtstage, die sie ab dem 75. Lebensjahr besuchte. „Natürlich zählen auch furchtbare Trauerfälle mit zur Arbeit.“ Die schönsten Momente ihrer Amtszeit seien jedoch immer die persönlichen Begegnungen gewesen. 

Unvergesslich bleiben wohl auch die Gottesdienste in Veltheim, bei der ihre Tochter Caroline (27) bis vor kurzem an der Orgel spielte. „Auch letzte Woche, am Heiligen Abend und am zweiten Festtag, gestalteten wir beide zusammen die Messe“, erzählte sie glücklich, denn „die Kirche lebt von Musik.“ Etwas wehmütig zeigte sie sich deshalb auch, dass es schwierig sei, Organisten zu finden. „Ich musste oftmals viel für die Gottesdienste herum telefonieren.“ Zum Glück habe man mit dem Veltheimer Abiturienten Tobias Witt einen Glücksgriff gehabt, der seit nunmehr vier Jahren zur Stange halte. 

Doch wie geht es jetzt in beiden Orten mit dem kirchlichen Dienst nun weiter? Angelika Meiners erklärte, dass ab Februar für eine Übergangszeit eine Vakanzregelung gelte. Diese sehe vor, dass Pfarrer Christoph Holstein aus Schandelah die Geschäftsführung und die Leitung des Kindergartens übernehme. Pfarrer Ulf Stoischek aus Cremlingen würde währenddessen die Amtshandlungen (Taufen, Trauungen und Trauerfeiern) in beiden Gemeinden übernehmen. In Erkerode und Lucklum, wo Meiners bereits zuvor (dauerhaft) einsprang, werde jetzt Pfarrer Thomas Posten aus Destedt dort übernehmen müssen. Näheres stehe noch nicht weiter fest, da auch der Prozess der Gestaltungsraumbildung noch nicht abgeschlossen sei. 

Bis zu ihrem Abschiedsgottesdienst, bei dem Meiners von der Pröpstin Martina Helmer-Pham Xuan entpflichtet wird, nimmt sie noch einige Resturlaubstage und bereitet auch ihren letzten besonderen Tag in St. Remigius vor. Zwei Taufen von zwei Schwestern versüßen ihr ebenfalls noch den Abschied. Der Kirchenchor und der Männergesangverein aus Veltheim werden am 28. Januar auch mitwirken. Im Anschluss ist auch ein Empfang im Lindenhof geplant. 

Und was machen Sie nach Ihrer Pfarrzeit, Frau Meiners? Die Antwort kam wie aus der Pistole und war überzeugend: „Ich erhoffe mir mehr Zeit für Freunde und Familie. Die kamen in den Jahren viel zu kurz. Ich möchte auch wieder mehr Sport machen und im Garten tätig sein.“ Mehr Zeit für ihren Mann wird es aber wohl in jedem Fall geben, denn er wurde bereits vor drei Jahren aus dem Polizeidienst in den Ruhestand verabschiedet. Neben dem Cremlinger Chor „Vocal Total“, bei dem sie seit 2002 gerne ihre Freizeit verbringt, möchte sie auch ihr Jugendhobby wieder aufleben lassen: das Cello. „Das Instrument liegt leider seit vielen Jahren verstaut“, verriet sie und lachte. „Schaufenster“ wird über den Verabschiedungsgottesdienst ausführlich berichten. 


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