Pfarrer Martin Feuge hat die Kirchengemeinde Sickte mit Hötzum und Neuerkerode nach 15 Jahren verlassen. Er möchte sich zukünftig neuen Aufgaben und Herausforderungen widmen. Zum 1. Februar nahm er eine Lehrstelle an der Berufsbildenden Schule in Helmstedt an und kann dort Jugendlichen und Heranwachsenden helfen, ins Berufsleben zu kommen. Unser Foto zeigt ihn in der St.-Petri-Kirche in Sickte.

Martin Feuge wechselt nach 15 Jahren zur Berufsbildenden Schule

In der Samtgemeinde Sickte zeichnet sich eine weitere Änderung des kirchlichen Lebens ab. Nachdem am vergangenen Sonntag Pfarrerin Angelika Meiners für Schulenrode und Veltheim feierlich in einem Verabschiedungsgottesdienst von der Pröpstin entpflichtet wurde (wir berichteten ausführlich), informierte nun auch Pfarrer Martin Feuge unsere Redaktion in dieser Woche über seinen Entschluss, den Pfarrverband Sickte mit Hötzum und Neuerkerode zu verlassen.

Seinen letzten Tag hatte er bereits am Mittwoch dieser Woche. Wir verabredeten uns mit ihm und wollten die Hintergründe über seine Entscheidung erfahren. Feuge war seit November 2002 für Sickte und Hötzum mit einer Pfarrstelle tätig. Zu seinen Aufgaben zählte auch die Leitung der Kindergärten Arche Noah und St. Petri in Sickte, denn dort ist die Kirche der Träger der Einrichtung. Seine Amtskollegin Pastorin Marita Bleich, die ebenfalls mit einer vollen Stelle zum Pfarrverband gehöre und ihren Arbeitsschwerpunkt in Neuerkerode habe, bleibe weiterhin tätig. 

Martin Feuge hat zum 1. Februar eine neue Stelle an der Berufsbildenden Schule in Helmstedt angenommen, die seit zwei Jahren vakant gewesen sei. Angestellt bleibe er indes weiterhin bei der Landeskirche. Was sind nun die Hintergründe? Er sagte, wenn es am schönsten ist, solle man gehen. „Ich wünschte mir ganz einfach einen Tapetenwechsel“, erzählte er. So sei mittlerweile Routine bei seiner Arbeit eingetreten. Als er damals die Stelle antrat, war es sein erster Job nach dem Theologiestudium. „Ich hatte den Traum, die Jugendarbeit aufzubauen. Das habe ich hier auch erreicht“, schilderte er eindrucksvoll und zufrieden. Schließlich wünsche sich der 46-Jährige eine neue Herausforderung. „Ich suchte etwas Neues, das mich reizt. Neue Ideen, neue Aufgaben, neue Akzente, neuer Schwung.“ Alle zehn Jahre frage auch die Landeskirche nach, ob die Pfarrer einen Stellenwechsel wünschen. Das habe er vor fünf Jahren noch verneint. Nach dem zweiten Examen 2001 in Göttingen und der Ordination in Genf vergingen aufregende Jahre, die auch nicht immer einfach gewesen seien. „Der Start war schwierig, weil es auch eine große Gemeinde ist. Es war aber eine Zeit des Aufbruchs“, erinnerte er sich. Viele Familien gehörten mittlerweile zum Freundeskreis.  

Die Stellensuche nahm er vor etwa zwei Jahren auf. Einige Angebote waren dabei, die ihm gefielen, er jedoch nicht bekam. Froh gestimmt und gut gelaunt ist Feuge nun in jedem Fall: „Die neue Stelle ist genau mein Ding.“ Im November machte er sie schließlich mit der Personalreferentin Brigitte Müller fix. Sie ist eine von vier Oberlandeskirchenrätinnen. Ab dann verging die Zeit rasend schnell, beschrieb er. Den Kirchenvorstand informierte er im Dezember, als die Verträge in trockenen Tüchern waren. Sehr schockiert hätten die Mitglieder reagiert. „Leicht fiel mir das alles nicht.“ Doch zuerst konnte er sich auch mit der Lehrerstelle gar nicht anfreunden. „Ich habe sie zuerst abgelehnt, viel gehadert und nachgedacht.“ Doch je mehr er sich mit dem Gedanken beschäftigt habe, gefiel er ihm immer mehr. Einige Tipps gab es auch von seiner Ehefrau Sandra, die stellvertretende Schulleiterin an der Großen Schule in Wolfenbüttel ist. 

„Auch wenn ich mich auf die neue Herausforderung freue, macht es den Abschied nicht leichter. Ich habe die Menschen hier sehr lieb gewonnen“, betonte Feuge leicht wehmütig. „Das ist meine Gemeinde. Ich habe sie schließlich auch stark verändert und meinen Stempel aufgesetzt.“ Visionen habe er in die Realität umsetzen können. Stolz ist er auf die tolle Jugendarbeit, die jedoch nicht nur sein Verdienst sei. „Viele Haupt- und Ehrenamtliche wirken hier mit.“ So finde auch einmal im Monat ein Jugendgottesdienst mit bis zu 80 Jugendlichen statt. Einige seiner Teamer würden für die bevorstehenden Kirchenvorstandswahlen kandidieren. „Alle sind mit Herzblut dabei. Das ist toll.“ 

Es sei deshalb auch bei ihm ein Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Da hängt mein Herz dran.“ Spannend klingt indes auch seine neue Stellenbeschreibung. So liege in Helmstedt sein Schwerpunkt bei Jugendlichen, denen er beim Berufseinstieg helfen soll. Schüler, die keinen Abschluss erreicht haben, könnten ihn dort nachholen. „Und das hat mich gereizt.“ Auf der Homepage der Schule, so Feuge, habe ihn auch der Slogan „Wir geben niemanden auf“ fasziniert. Es wird also wieder ein Einsatz mit Jugendlichen sein, wie er sich bereits in Sickte und Hötzum stark für einsetzte. „Ich kann dort Menschen helfen, den Tür zum Glauben öffnen, sie auf den richtigen Weg bringen.“ Seelsorge, Beratung, Gottesdienste, Projektarbeiten und Religionsunterricht gehören dann zu seinem Alltag für über 1.000 Jugendliche und He-ranwachsende, die an der Schule lernen. 

Für Martin Feuge ist auch ein wichtiger Grund, in Sickte wohnen bleiben zu können. „Hier fühlen wir uns wohl und heimisch.“ Schließlich errichtete er sein Eigentum mit seiner besseren Hälfte und den beiden Pflegekindern Tommy und Jonas im Neubaugebiet. Dort wohnen sie seit 2012. Denn auch die Befreiung der Residenzpflicht mache die Entscheidung leichter. Durch die Behinderungen ihrer Kinder stellten sie damals den Antrag, nicht im Pfarrhaus wohnen zu müssen, das ansonsten zur Ausübung des Pfarramtes dazugehöre. Die Kinder gehen auf die Peter-Räuber-Förderschule in Wolfenbüttel. „Die Kontinuität ist hier sehr wichtig“, erklärte der Pfarrer, der mindestens 30 Konfirmanden pro Jahr den Weg in die Kirche ebnete. Allein im letzten Jahr zählte er zudem auch 36 Taufen. Bei mehr als 100 Liebespaaren durfte er seine Amtshandlungen am Altar ausführen, einige auch auf der Burg Warberg im Landkreis Helmstedt. „Eine unheimlich tolle Kulisse.“

Und wie soll es nun mit dem kirchlichen Dienst im Pfarrverband weitergehen? Martin Feuge meinte, dass auch hier Umstrukturierungsmaßnahmen stattfinden. Die Landeskirche schreibe vor, dass Gestaltungsräume (Fusionen) gebildet werden müssen, bei zeitgleicher Reduzierung der Pfarrstellen. In manchen Ortschaften der Landeskirche sei dies schon geschehen. Er sagte, dass durch sein Ausscheiden die geforderte Stellenzahl erreicht sein würde. „Ich hätte mir auch sehr gerne einen Nachfolger gewünscht. Das würde einiges leichter machen.“ Die Aufgaben übernehmen künftig Vakanzvertreter. So wird Pfarrer Jens Möhle aus Ahlum-Atzum-Wendessen die Geschäftsführung in Sickte und die Leitung der Kindergärten übernehmen. Der Amtskollege aus den Gemeinden Salzdahlum-Apelnstedt-Volzum, Pfarrer Andreas Lichtblau, übernimmt die Taufen, Trauungen und Trauerfeiern in Sickte. Seine Kollegin, Pastorin Marita Bleich, wird dies alles für Hötzum wahrnehmen. Andreas Riekeberg von der Kirchengemeinde St. Thomas in Wolfenbüttel  wird sich künftig um die Konfirmanden kümmern. Auch gestalten künftig Prädikanten die Gottesdienste mit.

Seinen Verabschiedungsgottesdienst möchte Feuge schließlich am Sonntag, 4. März, um 17 Uhr in St. Petri in Sickte feiern. Ein großes Team bereite derzeit diesen Tag vor. Die Kantorei aus Sickte und der Kirchenchor aus Hötzum werden die Messe mitgestalten. Auch Propst Dieter Schultz-Seitz wird dabei sein. Er wird auch die Entpflichtung aus dem Amt vornehmen. Hinterher soll es einen Empfang und einen Imbiss im Gemeindehaus geben. Bis dahin und auch danach wird Feuge noch für die Gemeinde tätig sein. So stehen schließlich noch Trauungen, Konfirmandenfreizeit und die Konfirmationen selbst in seinem Kalender. „Angenommene Aufgaben möchte ich zu Ende bringen.“ 

Auf die Frage, wie die ersten beiden Schultage waren, konnte er indes nur scherzhaft antworten: „Es waren doch Zeugnisferien.“ Dennoch bereitet er seinen Unterricht vor und schreibt Konzepte. „Dafür habe ich mir auch ein Tablet-PC angeschafft, um moderne Medien zu verwenden.“


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