Der Schulelternrat – hier mit dem Vorsitzenden Axel Viktor und Mitglied Adrian Dorf – setzt sich für den Erhalt der Förderschule Lernen ein.

Wiedereinführung der Förderschule Lernen?

Der Schulelternrat der Förderschule Am Teichgarten hofft auf Einsicht und Vernunft vor allem der Mitglieder von SPD und Grünen beim heutigen Schulausschuss. Deren Landtagsmitglieder hatten sich in der vergangenen Legislaturperiode vehement für die Gründung von Integrierten Gesamtschulen eingesetzt, gleichzeitig die Förderschule Lernen abgeschafft.

Nun liegt im Schulausschuss gemäß der aktuellen Koalitionsvereinbarung im Land zwischen CDU und SPD ein Antrag der Kreis-CDU zur Einführung eines neuen fünften Jahrgangs an der Schule Am Teichgarten vor.

„Die Eltern wurden damals ungefragt vor vollendete Tatsachen gestellt, ohne sie vorher gefragt zu haben“, schimpft Elternratsvorsitzender Axel Viktor über das undemokratische Vorgehen. Mit Eltern von IGS-Kindern oder Gymnasiasten gingen die Politiker rücksichtsvoller um. „Ich musste damals den Schulbesuch meines Sohnes an der Förderschule Am Teichgarten beim Verwaltungsgericht einklagen, weil er nur zwei Stunden Förderunterricht in seiner Grundschule erhalten  hatte“, erinnert Elternratsmitglied Adrian Dorf an für die SPD und Grünen unangenehmen Folgen. Das Oberverwaltungsgericht hatte in einem schriftlichen Bescheid der Landesregierung damals attestiert, dass das Einhalten der Verfassung an dieser Stelle fragwürdig sei.

Im Landkreis gehe es anscheinend nur noch um IGS und den sogenannten „Oberstufen-Campus“, zulasten der Förderschulkinder, so der Vorsitzende. „Warum spricht Frau Steinbrügge nicht mit uns Eltern und hört sich unsere Sorgen und die unserer Kinder an?“, fragt Viktor. Auch Elternratsmitglied Petra Gosslar appelliert an die Politiker, ihre Entscheidung aus der Sicht von Eltern und deren Kindern zu fällen. „Die Arbeit an dieser Förderschule ist toll. An einer Regelschule, mit oder ohne Inklusion, hätte mein Kind Probleme mitzukommen“, betont sie.

Axel Viktor erinnert an das Parteiprogramm der SPD, durch das soziale Gerechtigkeit angestrebt werde und erklärt dazu: „Davon sehe ich in Sachen Förderschule Lernen nicht so viel. Zumindest begreife ich nicht, dass hier in Wolfenbüttel möglicherweise durch die SPD-Mitglieder anders entschieden wird als im aktuellen Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU vorgegeben. Dem hat doch auch Landtagsabgeordneter Marcus Bosse zugestimm!“

Der Elternvorstand hat nun kurzfristig eine Petition gestartet, in der diese Koalitionsvereinbarung bezüglich der Förderschule Lernen vorangestellt wird. Darin steht unter anderem, dass nun die Kommunen darüber entscheiden, ob  Förderschulen im Förderschwerpunkt Lernen im Sekundarbereich I bis Ende des Schuljahres 2027/28 fortgeführt werden können. Die Landesregierung begründet dies  mit „… der  Schaffung besserer Bildungschancen für alle…“.  „Dabei stehen das individuelle Kindeswohl, die Sicherung der Wahlfreiheit und das Gelingen der Inklusion im Mittelpunkt.“   Dieser Übergangszeitraum bis zum 31. Juli 2028 solle genutzt werden, um die Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung der inklusiven Schule zu verbessern und insbesondere den Ressourceneinsatz effektiver zu steuern.  

In Goslar, Seesen und Helmstedt wurde inzwischen dieser Weg zugunsten der betroffenen Schüler eingeschlagen. Dazu Adrian Dorf: „Das ist auch in Wolfenbüttel ganz wichtig. Hier am Teichgarten erreichen Schüler des 10. Jahrgangs mehrheitlich den Hauptschulabschluss und stehen anschließend dem 1. Arbeitsmarkt zur Verfügung. Diese Möglichkeit muss erhalten bleiben!“

Inzwischen wechsele, so Viktor, die Stimmung im ganzen Land. So fordere der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, in Sachen Inklusion einen Zwischenstopp mit Atempause, weil viele Länder erst die Förderschule abgeschafft und erst dann damit begonnen hätten die Regelschule auf Inklusion vorzubereiten. Außerdem berichtet der Elternratsvorsitzende vom Kultusminister Sachsen-Anhalts, Marco Tullner, der es für den falschen Weg halte, Kinder mit Behinderung auf eine Regelschule zu schicken. „Hier in Niedersachsen hat man wohl vergessen, dass in der UNESCO-Erklärung zur Inklusion den Eltern ein Wahlrecht zwischen Inklusion und Förderschule eingeräumt wird. Es war nie vom Abschaffen der Förderschulen die Rede“, erinnert Viktor, verbunden mit der Hoffnung, dass die Schulausschuss-Mitglieder eine entsprechende Empfehlung zum Erhalt der Förderschule Lernen für den nächsten Kreistag beschließen werden. 


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