Lehrer, Eltern und Schulsprecher (hinten rechts mit Dennis Dunkel und Ahmed Altun) vom Teichgarten begleiteten die Diskussion.

Kontrovers geführte Debatte im Kreisschulausschuss

„Förderschulabschluss weniger wert!“ ... mit dieser Äußerung brachte der Bürgervertreter, der stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes der IG BCE Paul Arzberger, nicht nur die beiden Schülersprecher und Lehrkräfte der Förderschule Am Teichgarten in Rage, sondern auch Elternvertreter und die Befürworter des Erhalts der Förderschule Lernen, dem zentralen Thema während der 7. Sitzung des Ausschusses für Schule und Sport am vergangenen Mittwoch. Am Ende sprachen sich die Ausschussmitglieder mehrheitlich für eine Weiterführung der Arbeit an der Förderschule aus.

In der ansonsten sachlich geführten Diskussion wurde um das Für und Wider von Inklusion und Förderschule gerungen. Anlass war der Dringlichkeitsantrag der CDU-Kreistagsfraktion zum Erhalt des Schwerpunktes „Lernen“ der Förderschule Am Teichgarten. Klaus Hantelmann begründete den Antrag mit dem von SPD und CDU in die Koalitionsvereinbarungen geschriebenen Möglichkeit, Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen bis zum 31. Juli 2028 bestehen zu lassen. Das diene der Schaffung besserer Bildungschancen für alle mit dem individuellen Kindeswohl, der Sicherung der Wahlfreiheit und dem Gelingen der Inklusion im Mittelpunkt, so die Aussage im Vertrag.

Zuvor war während der Einwohnerfragestunde von mehreren Rednern schon vorab gefragt worden, warum Mitglieder der SPD und der Grünen den schwächsten Gliedern der Gesellschaft nicht die Atempause gönnen wollten, bis ein funktionsfähiges Fördersystem an den Regelschulen die gleiche Leistung für schwächere Kinder erbringe. Dennis Dunkel (Klasse 10), Schülersprecher der Schule Am Teichgarten, betonte: „Warum hat niemand von Ihnen vorher mit uns gesprochen und uns um unsere Meinung gefragt? In den normalen Schulen sind die Klassen zu groß, wir erhalten dort nur ein bis zwei Förderstunden, darum haben wir dort Probleme!“ Er lud die Landrätin ein, sich die Arbeit am Teichgarten genauer anzuschauen. „Ich fühle mich dort besonders wohl. Wir werden die ganze Woche über betreut, die Lehrer fördern uns andauernd. Darum schaffen auch die meisten von uns dort den Hauptschulabschluss und erhalten einen Ausbildungsplatz“, ergänzte Schülersprecher-Vertreter Ahmed Altun (Klasse 7).

Die beiden Elternvertreterinnen  Linda-Maria Heusler (Kreiselternrat) und  Petra Gosslar (Schule Am Teichgarten) lobten die gute Arbeit der Lehrer am Teichgarten und verwiesen darauf, dass beim Zitieren aus der UNESCO-Resolution immer vergessen werde, dass dort auch der Erhalt von Förderschulen gefordert wird, um den Eltern die Wahlfreiheit zu ermöglichen. Linda-Maria Heusler gratulierte den Schülern vom Teichgarten zum Erreichen des Hauptschulabschlusses. 

Zuvor hatte der als Bürgervertreter anwesende Paul Arzberger erklärt, dass die Förderschüler in der Regel Probleme im berufsbildenden Bereich hätten. Er setzte auf Verbesserung durch die Inklusion  und betonte, dass es für die Kinder besser sei, ohne Abschluss von der Regelschule zu gehen als mit einem Förderschulabschluss.

Im Gespräch mit „Schaufenster“ erklärten die Lehrervertreter der Teichgartenschule die Aussage Arzbergers über die Leistungen der Förderschüler an Berufsbildenden Schule, dass die Arbeit mit den Teichgarten-Schülern für die BBS aufgrund der guten Schlüsselqualifikationen erfolgreicher sei als mit Schulabbrechern aus der Hauptschule.

Klaus Hantelmann (CDU) begründete den Dringlichkeitsantrag mit dem Fehlen des geplanten Regionalen Zentrums für Inklusion (RZI) und eines Regionalen Inklusionskonzepts. Da die Übergänge der Schüler mit Förderbedarf in die Regelschulen mit Verantwortung gestaltet werden sollten, müsste die Arbeit an der Förderschule Am Teichgarten, gemäß des auch von der SPD unterschriebenen Koalitionsvertrags, bis 2028 möglich bleiben. Gerade wegen des großen Fehlens an Förderschul-Lehrkräften brauche diese Schulform erst einmal eine Atempause.

„Wenn man die Förderschullehrer an den Regelschulen im Rahmen der Inklusion einsetzen würde, könnte man dort schon Verbesserungen herbeiführen“, betonte Holger Barkhau. Er sah Probleme, gleich zwei Systeme parallel zu finanzieren. Auch SPD-Vertreter Julian Märtens berichtete aus beruflicher Erfahrung von Erfolgen für die Kinder mit Förderbedarf an seiner Schule. Auch er findet es besser, wenn die Ressource Förderschullehrer an den Schulen mit Inklusion gebündelt würden.

Arnfred Stoppock erläuterte für die LINKE, dass man noch Diskussionsbedarf habe. Er stellte fest, dass die vor zehn Jahren eingeführte Inklusion für die betroffenen Kinder noch nicht so viel erreicht habe. Der akute Lehrermangel sei ein Hemmnis für die Entwicklung. Aus dem Grunde kündigte er für die Ausschuss-Sitzung seine Enthaltung an. 

Thomas Fach als nicht stimmberechtigtes Mitglied machte klar, dass sich die FDP für den Erhalt der Förderschule Lernen bis 2028 einsetzen werde. Als weiterer Befürworter der Förderschulen Lernen unterstützte AfD-Vertreter Achim Nieder den CDU-Antrag. „Dann hat die Landesregierung noch zehn Jahre Zeit, um für genügend Förderschullehrkräfte zu sorgen.“ Er kritisierte, dass man im Landkreis die Förderschule entgegen der Elternwünsche zerschlagen wolle.

Landrätin Christiana Steinbrügge machte mit ihrem Hinweis auf die hohen Kosten des lang geplanten Oberstufencampus deutlich, welche Ziele sie favorisiert. Sie sah positive Entwicklungen für die Schüler mit Förderbedarf an den Regelschulen. Zwar habe die Landesregierung versprochen, dass die Kommunen zu den 50 Millionen Euro Kosten für die Weiterführung der Förderschule Lernen nichts beitragen müssten, aber auf den Landkreis kämen bei Zustimmung für die Einführung von Klasse 5 am Teichgarten zusätzlich Ausgaben zu, weil der Bau des IGS Oberstufencampus‘ mit  6 Millionen Euro verzögert werde. Daher sprach sie sich gegen den CDU-Antrag aus. Nach Auszählung der Stimmen stand nach 8:6 pro Förderschule fest, dass die Landrätin einen entsprechend formulierten Antrag zur Kreistagssitzung vorlegen wird.


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