Die ehemalige Hertie-Immobilie.

Abriss beginnt im Frühjahr – Stadt will Gesellschafterdarlehen von 20 Mio. gewähren

Wie ein Lauffeuer hat es sich in Wolfenbüttel bereits herumgesprochen: In Sachen Hertie-Immobilie tut sich was! Am Freitag wird der Rat der Stadt zusammentreten, um nur über diesen einen Punkt zu beraten: Wie wird die Zukunft des ehemaligen Hertie-Kaufhauses aussehen?

Hier die Ausführungen von Bürgermeister Thomas Pink dazu:

1. Der Sachstandsbericht zur Revitalisierung der ehemaligen Hertie-Liegenschaft wird zur Kenntnis genommen.

2. Die Stadt Wolfenbüttel beteiligt sich zum Zwecke der weiteren Projektentwicklung für den Neubau einer modernen Handels- und Dienstleistungsimmobilie an der iandus Objektgesellschaft Wolfenbüttel GmbH & Co. KG.

3. Die Projektkosten betragen insgesamt rund 20 Millionen Euro. Die Stadt Wolfenbüttel beteiligt sich zu 80 Prozent am Eigenkapital der handelnden Gesellschaft und finanziert das Projekt ganz überwiegend durch ein Gesellschafterdarlehen.

4. Im Haushaltsjahr 2018 werden Auszahlungen über 11,7 Millionen Euro und Einzahlungen über 2,4 Millionen Euro, im Saldo somit 9,3 Millionen Euro veranschlagt.

5. Im Haushaltsjahr 2019 werden Auszahlungen in Höhe von 10,4 Millionen Euro veranschlagt

6. Hierzu werden entsprechende Kreditaufnahmeermächtigungen in den Doppelhaushalt 2018/2019 aufgenommen.

7. Die Stadt Wolfenbüttel und der Projektbeteiligte, Benedikt Schmidt-Waechter, streben nach Fertigstellung zeitnah eine Veräußerung der entwickelten Handels- und Dienstleistungsimmobilie an einen Investor an.

Die finanziellen Auswirkungen ergeben sich aus dem Beschlussvorschlag.

Die Karstadt Warenhaus GmbH, eine Tochtergesellschaft der KarstadtQuelle AG betrieb von Mai 1977 bis zum Sommer 2005 in Wolfenbüttel im Bereich der Löwenstraße/Großer Zimmerhof/Krambuden ein Kaufhaus. So wie an 72 weiteren Karstadt-Standorten, mit vor allem kleineren Kaufhäusern (alle unter 8000 Quadratmeter Verkaufsfläche), ging die Filiale in Wolfenbüttel zu diesem Zeitpunkt an den britischen Finanzinvestor Dawnay Day über.

In der Zeit von Sommer 2005 bis Anfang 2007 firmierten die Kaufhäuser dieser Warenhauskette unter dem Namen Karstadt Kompakt, um nach einer weiteren Umbenennung als Hertie-Warenhäuser betrieben zu werden. Am 31. Juli 2008 meldete Hertie Insolvenz an, nachdem der Eigner, Dawnay Day, in finanzielle Bedrängnis geraten war. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass die verantwortlichen Geschäftsführer der Wolfenbütteler Filiale immer in der Öffentlichkeit die Auffassung vertraten, dass gerade dieses Geschäft sehr erfolgreich, sowohl als Karstadt, Karstadt Kompakt und auch als Hertie, gearbeitet habe. Mit dem Bekanntwerden der bundesweiten Hertie-Insolvenz kam es dann im August 2009 zur Schließung der Wolfenbütteler Geschäftsimmobilie.

Es wurde bekannt, dass für die Hertie-Immobilien eine Einzelverwertung vorgesehen ist. Bereits im November 2008 wurde dann das Warenhaus als insgesamt erste Immobilie aus dem Hertie- Portfolio an die Löwenstraße Immobilien GmbH veräußert. Investpartner dieses Entwicklers war die Patron Capital, London. Schon das Ziel der Löwenstraße Immobilien GmbH war es, an dieser Stelle eine neue Handelsimmobilie zu entwickeln. Über die entsprechenden Entwicklungsmaßnahmen vor allem anfänglich wurde die Stadt Wolfenbüttel informiert.

Am 17. Juni 2010 wurde die Stadt Wolfenbüttel darüber in Kenntnis gesetzt, dass für die Hertie-Brache ein neuer Projekteentwickler, die ST-Bau, tätig sei. Nach erfolglosen Vermietungs- und Entwicklungsversuchen wurde dann im September 2012 für die Löwenstraße Immobilien GmbH das Insolvenzverfahren eröffnet. Um zu verhindern, dass diese so wichtige Immobilie im Herzen der Innenstadt Wolfenbüttels womöglich erneut durch einen anonymen internationalen Immobilienhai ersteigert wird, bemühte sich die Stadt Wolfenbüttel um den Erwerb des Grundstücks. Es ging vor allem darum, den maßgeblichen Einfluss im Rahmen der Stadtentwicklung an dieser Stelle zurückzugewinnen. Mit Beschluss des Rates vom 19. November 2012 erwarb die Stadt Wolfenbüttel dann das Grundstück im Rahmen des Insolvenzverfahrens.

Um eine zeitnahe Entwicklung der Liegenschaft zu realisieren, wurde im Ergebnis eines im Sommer 2013 durchgeführten Interessenbekundungsverfahrens mit Ratsbeschluss vom 30. Oktober 2013 die AMANDLA international GmbH &Co. KG mit der weiteren Projektentwicklung beauftragt.

Leider musste festgestellt werden, dass der angestrebte Entwicklungserfolg nicht umzusetzen war, sodass zu Beginn des Jahres 2015 dann die iandus Unternehmensgruppe GmbH & Co. KG mit der weiteren Projektentwicklung beauftragt wurde.

Insbesondere durch die bundesweit festzustellenden allgemeinen Entwicklungen im stationären Einzelhandel (verändertes Einkaufsverhalten der Kunden, Online-Einkauf, der Rückgang des familiengeführten Einzelhandels) und im Besonderen die Nähe zum Oberzentrum Braunschweig und zum FOC Wolfsburg entwickelte sich die Projektierung der Innenstadtliegenschaft als anspruchsvoll und langwierig. Nur den intensiven, nicht nachlassenden Entwicklungsaktivitäten von Schmidt-Waechter und der geduldigen Begleitung der Maßnahmen durch die politischen Gremien der Stadt und der in der Verwaltung mit dem Projekt betrauten Personen ist es zu verdanken, dass nun ein Vermietungsstand erreicht wurde, der einen Projektstart ermöglicht.

Allerdings darf nicht verschwiegen werden, dass die Projektierung derartiger Einzelhandelsprojekte in Städten unserer Größenordnung regelmäßig große Anstrengungen erfordert. Insofern kann nach den langen Jahren des Leerstandes des alten Hertie-Warenhauses mit Zuversicht die Realisierung beginnen. Der Abriss des Gebäudes ist nach Beschlussfassung zu Beginn des Monats März geplant, sodass im 2. Quartal mit den Hochbaumaßnahmen begonnen werden kann.

Allerdings muss auch festgestellt werden, dass die Realisierung des Projektes erst dadurch möglich wird, dass die Stadt Wolfenbüttel sich als mehrheitlicher Gesellschafter in der iandus Objektgesellschaft Wolfenbüttel GmbH & Co. KG beteiligt.

Da die Gewährleistung der Einzelhandelszentralität im Rahmen der öffentlichen Aufgabenstellung im eigenen Wirkungskreis einer Gemeinde angesiedelt ist und damit die Schaffung angemessener Einkaufsmöglichkeiten gefördert werden muss, sind die hier von der Stadt Wolfenbüttel umgesetzten Maßnahmen geeignet, angemessen und auch erforderlich, dieses für die Stadt wichtige Quartier wieder zu beleben. Da jedoch der Betrieb einer Gewerbeimmobilie nicht zu den Kernaufgaben einer Kommunalverwaltung gehört, ist die zeitnahe Veräußerung der entwickelten Gewerbeimmobilie vorgesehen.

Um die haushaltsmäßige Umsetzung der Projektrealisierung gewährleisten zu können, sind die unter den Ziffern 2 – 6 vorgesehenen Veranschlagungen in den Haushalten 2018 und 2019 erforderlich. Bei der unter Ziffer 6 dargestellten Ermächtigung zur Kreditaufnahme handelt es sich um sogenannte rentierliche Kreditaufnahmen, da dieses Investitionsprojekt sämtliche Zinsaufwendungen für das eingesetzte Kapital wieder rentierlich ausschütten wird.

Bürgermeister Thomas Pink macht ausdrücklich darauf aufmerksam, dass die Investitionsbeteiligung der Stadt Wolfenbüttel an diesem Projekt keine Mehrbelastung des Haushaltes zur Folge haben werde.

Nach intensiver Erörterung der Projektrealisierung mit dem Landkreis Wolfenbüttel als zuständiger Kommunalaufsichtsbehörde handelt es sich hierbei um eine anzeigepflichtige Maßnahme. Die Stadt Wolfenbüttel steht hierzu in ständigem Austausch mit dem Landkreis Wolfenbüttel.


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