V. l.: Frank Oesterhelweg (CDU), Imke Byl (Die Grünen), Victor Perli (Die Linke), Marcus Bosse (SPD) und Rolf Adler (Moderation).

Windenergie aus Bürgersicht: Wird der Regionalverband umdenken?

Der Trägerkreis „Europäische Aktionswochen für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima“ hatte im März in das Gemeindehaus der Hauptkirche Wolfenbüttel zur Diskussionsveranstaltung „Landschaft als Kraftwerk“ eingeladen. Im Beisein von politisch Verantwortlichen wurden aktuelle Studien zur Akzeptanz erneuerbarer Energien vorgestellt.

Ein vom Regionalverband Großraum Braunschweig (RVB) veranlasstes und von 77 Bürgern erstelltes Gutachten lässt aufhorchen. Es ist ein Plädoyer für eine landschaftsschonende Energiegewinnung: „Die Windenergiepotentiale behutsam in Anspruch nehmen, die Freiflächenphotovoltaik nur gering ausbauen und das hohe Potential an Dachflächenphotovoltaik intensiv nutzen!“

Was nicht zur Sprache kommt, aber kommen muss: Laut Bürgergutachten sollen in der Region für Windnutzung bis zum Jahr 2050 maximal 8.200 Hektar freigegeben werden. Dagegen hält der RVB mit den 100 Prozent Erneuerbare-Energie-Szenarien dafür bis zu 20.700 Hektar offen. 

Aktuelle Forschungsergebnisse: Die Politikwissenschaftlerin Prof. Miranda Schreurs betont: „Wir müssen uns viel stärker für die Beteiligung der Bürger engagieren.“ Dies unterstreicht auch Daniela Setton vom Potsdamer Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung mit einer deutschlandweiten Repräsentativerhebung. Danach ist es 85 Prozent der Befragten wichtig, dass sich Betroffene frühzeitig am Planungsprozess für Windanlagen beteiligen können.         

Wo steht die hiesige Politik? Imke Byl – von den Gifhorner Grünen und MdL – verweist auf die anstehende  Richtungsentscheidung „zentral/dezentral“: Dringlich sei, den Ausbau der Dach-Photovoltaik in den Städten voranzubringen. Aus dem Publikum wird eine Debatte zur regionalen Stromnetz-Konzeption angemahnt.   

Die Landtags- und Regionspolitiker, Marcus Bosse (SPD) und Frank Oesterhelweg (CDU), betonen die Notwendigkeit einer gerichtsfesten Windenergieplanung. Eventuell könne man zukünftig über die Höhen von WEA und den Energiemix diskutieren sowie die Bürger mittels einer Visualisierung von 100 Prozent EE-Szenarien in den Planungsprozess einbinden. Beide werben mit dem Windpark Gevensleben, der für Bürger gewinnbringend sei.

Der Wolfenbütteler Bundestags-abgeordnete, Victor Perli (Die Linke), äußert sich dazu kritisch. Zum Teil würden Bürger nicht über den Spielraum verfügen, um sich in einen Windpark einkaufen zu können. Prioritär sei eine Energiewende, die für Geringverdiener bezahlbar ist. Bürger müssten Entscheidungsspielräume zur Landschaftsentwicklung bekommen. 


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