Die „pro familia“-Beratungsstelle in Wolfenbüttel feierte in der Kommisse, begleitet von einer Ausstellung der Künstlerin Ilona Nolte (von links): Monika Hentig, Stefanie Taner, Dr. Gesa Kaufholz, Maren Schmilau, Monika Hartwig, Gabriele Lehner (Diplom-Sozialarbeiterin und Leiterin der Wolfenbütteler Beratungsstelle) und Hildegard Köhler-Bernhardt (Diplom-Psychologin).

40 Jahre „pro familia“ mit Fest und Ausstellung in Kommisse gefeiert

Die „pro-familia“-Beratungsstelle feierte am Donnerstag ihr 40-jähriges Bestehen in Wolfenbüttel mit einem Fest in der Kommisse, das von einer Ausstellung mit kraftvollen und das pralle Leben ausstrahlenden Gemälden der Künstlerin Ilona Nolte aus dem nordhessischen Bergland begleitet wurde. Die bunten, kraftvollen Bilder unter dem Motto „Lebenslust“ sind noch bis zum 26. April in der Kommisse zu sehen. Der Eintritt ist frei – der Besuch sehr lohnenswert!

Gabriele Lehner, Diplom-Sozialarbeiterin und Leiterin der „pro-familia-Beratungsstelle in Wolfenbüttel, berichtete in ihrer Rede – nach der herzlichen Begrüßung der Gäste – über die Anfänge der Beratungsstelle: 1977 am Holzmarkt (Fahrschule). Einer Zeit, die von Terror und Gewalt geprägt gewesen sei, in der Alice Schwarzer ihre Zeitschrift „Emma“ gründete und in der Frauen bis zum 30. Juni zum Führen des Haushalts in einer Familie verpflichtet gewesen seien. „pro familia“ habe zu der rasanten Veränderung seitdem ihren Beitrag geleistet. Man berate zu Sexualität, Partnerschaft und Verhütung und begleite Menschen in komplexen Lebenssituationen. Selbstbestimmte Sexualität und die freie Entscheidung darüber, ob man ein Kind bekommen möchte oder nicht, seien wichtige Eckpfeiler bei den Beratungen. Dabei gehe es um Krisen in der Partnerschaft, finanzielle und sozialrechtliche Hilfen rund um Mutter- und Vaterschaft, Beratung und Begleitung im Schwangerschaftskonflikt oder nach einem -abbruch, sexuelle Orientierung und vieles mehr. Stets richte man sich nach der Leitlinie des „pro-familia“-Landesverbandes, das heißt, man stehe für selbstbestimmte Sexualität, für rechtliche und politische Gleichberechtigung der Geschlechter, sexuelle Identitäten und verschiedene Lebensformen. Man arbeite auf der Grundlage der sexuellen und reproduktiven Menschenrechte und trete für deren Verwirklichung ein. Man befinde sich in einem stetigen Prozess, müsse auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren und die Ziele den äußeren Bedingungen anpassen, ohne dabei jedoch die Grundsätze aus den Augen zu verlieren.

Gabriele Lehner dankte abschließend allen für die gute Zusammenarbeit, für gute Ideen, finanzielle und ideelle Unterstützung sowie für kleine und große Spenden. Sie dankte dem Land Niedersachsen, dem Landkreis und der Stadt für die finanzielle Unterstützung, dem ehrenamtlich arbeitenden Vorstand des Landesverbandes und ihrem Team in Wolfenbüttel.

Andreas Laumert, Geschäftsführer des Paritätischen, blickte auf eine sehr lange gemeinsame Zeit mit der „pro-familia“-Beratungsstelle zurück. Begonnen habe sie vor 40 Jahren damit, dass er als Zivildienstleistender Möbel für „pro familia“ in die Räume am Holzmarkt geschleppt habe. Seitdem hätten „pro familia“ und der Paritätische immer gemeinsame Büroräume gehabt. Den Umzug aufs ehemalige Kasernengelände an der Lindener Straße anlässlich der Sanierung der Kommisse habe man ebenso gemeinsam bewältigt wie die Rückkehr in die Kommisse. Man habe, so Laumert, „pro familia“ auch immer finanziell unterstützt und werde das auch weiterhin tun. Hohes Lob und große Anerkennung sprach er der Beratungsstelle dafür aus, dass sie „das Thema Sexualität aus der Schmuddelecke herausgeholt und von Tabus befreit“ habe. 

Der stellvertretende Landrat Uwe Schäfer sagte weiterhin finanzielle Unterstützung für die so wichtige Arbeit dieser Beratungsstelle zu. Immerhin seien es über 900 Beratungsgespräche, die pro Jahr geführt würden. Stellvertretender Bürgermeister Heinz-Rainer Bosse zollte seine Anerkennung in Form eines Gedichts. Nach einem heiteren Vortrag von Cornelia Anhelm-Dieng zum Thema „Flirten“ klang die harmonische Feier mit lockeren Gesprächen bei einem kleinen Imbiss aus. 


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