Bei der Übergabe der Unterlagen an das Landesarchiv (oben, von links): Bernd Ratayczak, Karl-Heinz Thum, Dr. Brage Bei der Wieden, Martin Hortig, Ulrich Corcilius, Gerhard Baller, Jürgen Hodemacher sowie (unten) Manfred Schumacher und Rudolf Rischmann.

Karneval-Verband errichtet Niedersächsisches Fastnachtsarchiv

Der Karneval-Verband Niedersachsen (KVN), in dem derzeit 106 niedersächsische Karnevalsvereine zusammengeschlossen sind, verfügt selbst bzw. seine Mitglieder über teilweise Jahrhunderte alte Unterlagen über die Geschichte des Karnevals in Niedersachsen. Bereits im Jahr 1293 wurde die Fastnacht in Braunschweig in Schriften erstmals erwähnt. Aus diesem Grund hat sich der Verband entschlossen, diese Dokumentationen des karnevalistischen Brauchtums in einem „Niedersächsischen Fastnachtsarchiv“ dauerhaft zu sichern und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ziel ist die dauerhafte Archivierung und Nutzbarmachung gemäß dem Niedersächsischen Archivgesetz.

Im Niedersächsischen Landesarchiv am Standort Wolfenbüttel soll das „Niedersächsische Fastnachtsarchiv“ verzeichnet und aufbewahrt werden. Am Freitag konnte Dr. Brage Bei der Wieden (Direktor des Landesarchivs) hier Jürgen Hodemacher (Mitglied im Kulturausschuss des Bundes Deutscher Karneval und Senatspräsident der Braunschweiger Karneval-Gesellschaft von 1872),  Rudolf Rischmann (Treuhänder der Schwabe-Stiftung Kuchelberg),  Karl-Heinz Thum  (Präsident des Karneval-Verbandes Niedersachsen und Mitglied im geschäftsführenden Vorstand des Bundes Deutscher Karneval), Manfred Schumacher (Vorsitzender des Brauchtumsausschusses des Karneval-Verbandes Niedersachsen),  Martin Hortig (Stellv. Vorsitzender des Brauchtumsausschusses des Karneval-Verbandes Niedersachsen), Gerhard Baller (Mitglied des Brauchtumsausschusses des Karneval-Verbandes Niedersachsen, Geschäftsführer und Zugmarschall der Komitee Braunschweiger Karneval gGmbH) sowie Bernd Ratayczak (Präsident der Braunschweiger Karneval-Gesellschaft) und Ulrich Corcilius (Mitglied des Brauchtumsauschusses) begrüßen, welche die Sammlung Jürgen Hodemachers – Schriftgut der letzten 30 bis 35 Jahre rund um den Karneval im Braunschweiger Land – als Anfangsbestand gemeinsam übergaben. 21 große Kartons und vier Sammelordner wanderten so per Menschenkette vom Kofferraum in das Archiv. 

Ein am 20. Juli 2017 zwischen dem KVN und dem Landesarchiv abgeschlossener Depositalvertrag regelt die Aufbewahrungs- und Benutzungsbedingungen dieses neuen Fastnachtsarchivs wie folgt: - Das Landesarchiv sorgt für eine fachgerechte Verpackung und Magazinierung des Archivguts und verwahrt es als in sich geschlossenen Bestand. Es ist geplant, das Archiv in die elektronische Nachweis- und Recherchedatenbank des Landesarchivs aufzunehmen sowie dieses Archiv online zugänglich zu machen. -  Die Niedersächsischen Karnevalisten können das von ihnen angelieferte Archivgut jederzeit in den Räumen des Archivs einsehen oder auch zur befristeten Nutzung ausleihen. - Das Landesarchiv kann das Archiv zur dauerhaften Sicherung verfilmen, digitalisieren oder weitere Reproduktionsmaßnahmen vornehmen. - Das Landesarchiv darf das Archiv zu eigenen Ausstellungs-, Forschungs- und Veröffentlichungszwecken nutzen oder Dritten zur Nutzung zugänglich machen.

Damit kann zukünftig das im Karneval-Verband Niedersachsen und den angeschlossenen Vereinen vorhandene Schriftgut zur Geschichte der Fastnacht und des Karnevals in Niedersachsen dauerhaft gesichert und auch der Wissenschaft zugänglich gemacht werden. Mit dieser Kooperation werden zugleich erheblich verbesserte Rahmenbedingungen für die Forschung der Volkskunde und Kulturwissenschaften im Bereich der Norddeutschen Fastnacht sichergestellt. 

Der Archivdirektor Dr. Brage bei der Wieden äußerte sich freudig bei der Übergabe der Dokumente: „Dies ist ein wichtiger Termin. Die Geschichte des Karnevals in Niedersachsen kann nun archiviert und der Forschung zugänglich gemacht werden. Die Dokumente werden so gesichert und dauerhaft nutzbar gemacht.“ Das Niedersächsische Landesarchiv habe nicht nur die Aufgabe Behördenschriftgut, sondern auch bei öffentlichem Interesse weiteres Schriftgut aufzubewahren, die sogenannten Ergänzungsüberlieferungen, erläuterte er. Die Dokumente aus der Sammlung Hodemachers für das neue Niedersächsische Fastnachtsarchiv seien es nicht nur wert, dauerhaft aufbewahrt zu werden, sie weckten auch großes Interesse und würden daher umgehend nutzbar gemacht. 

„Für uns ist das eine ganz große Nummer und eine riesen Möglichkeit, das Brauchtum der Region für die Nachwelt festzuhalten“, so Karl-Heinz Thum. Schließlich feiere man in Norddeutschland – mit viel Spaß und Überzeugung – ganz anders Karneval als in den Hochburgen, wo der Karneval auch ein Wirtschaftsfaktor ist. Sein Dank galt Dr. Bei der Wieden. 

Gerhard Baller bedankte sich zudem bei Rudolf Rischmann von der Schwabe-Stiftung Kuchelberg, die die Kosten für die Aufbauphase der ersten fünf Jahre trägt, sowie bei Jürgen Hodemacher für die umfangreiche Sammlung, die nun den Anfangsbestand bildet. 

„Ich wollte den ersten Schritt tun, damit es weitergeht. Die Historie interessiert eigentlich jeden, wenn sie vernünftig aufgearbeitet ist“, fügt Hodemacher hierzu an und berichtet, dass er sehr interessante Dinge in den Dokumenten entdeckt habe. Beispielsweise sei in einem Liederheft von 1926 eine weitere Braunschweiger Karnevalsgesellschaft – neben den drei bekannten – genannt, von der bisher keiner wisse. Zudem verriet er, dass er im Besitz einer weiteren Sammlung in Sachen Karneval sei. Er habe viele alte und rare Liedhefte, das älteste aus dem Jahr 1911. „Die Liedtexte spiegeln viele politische Themen der damiligen Zeit wider und sind sehr interessant. Gerne stelle ich auch diese Sammlung in Zukunft dem Archiv zur Verfügung“, teilte er mit und hatte gleich ein wenig Anschauungsmaterial dabei, das bei Dr. Bei der Wieden und den Anwesenden für Begeisterung sorgte. 

Nun ist es an den 106 Niedersächsischen Karnevalsvereinen, das neue Niedersächsische Fastnachtsarchiv mit weiterem Material zu bestücken! Den Aufbau des Archivs unterstützt vor Ort das Komitee Braunschweiger Karneval mit den drei tragenden Gesellschaften: die Braunschweiger Karneval-Gesellschaft von 1872, die Mascheroder Karneval-Gesellschaft und die Karnevalvereinigung der Rheinländer. 

Nachlässe und karnevalistische Archivmaterialien aller Art nimmt der Vorsitzende des Brauchtumsausschusses des KVN, Manfred Schumacher, gern entgegen (Telefon 0171/4532735) und leitet sie dem Landesarchiv weiter, soweit sie den Aufnahmebedingungen entsprechen. Dokumente und Gegenstände, die Auskunft über die Geschichte des niedersächsischen Karnevals geben, aber nicht Aufnahme in das Staatsarchiv finden können, sollen zunächst einer im Aufbau befindlichen Sammlung zugeführt werden. Der KVN mit seinem Brauchtumsausschuss hofft, dass sich daraus in späteren Jahren ein eigenständiges Niedersächsisches Karnevalsmuseum entwickeln kann. 


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