Elizabeth T. Spira erhielt den Lessing-Preis für Kritik.

Elizabeth T. Spira erhielt Lessing-Preis

Der zehnte Lessing-Preis für Kritik wurde am vergangenen Sonntag in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel an die österreichische Dokumentarfilmerin Dr. Elizabeth T. Spira vergeben. Den Förderpreis erhielt die Wiener Journalistin Stefanie Panzenböck.

Elizabeth T. Spira, in Glasgow geborene Tochter jüdischer Emigranten, hat nach Meinung der Jury auch über den deutschsprachigen Raum hinaus Fernsehgeschichte geschrieben. Ihre über viele Jahre zu sehenden Sendereihen »Alltagsgeschichte« und »Liebesg’schichten und Heiratssachen« zeigten, wie eng Gesellschaftskritik und großer Publikumserfolg zusammengehen können. In ihren Gesprächen beweise sie ein einzigartiges Talent, Menschen zum Sprechen zu veranlassen, ohne sie vorzuführen oder der Lächerlichkeit preiszugeben. Eine Haltung, die an Lessing erinnere, dessen Theaterreform das Lachen an die Stelle des Verlachens gesetzt habe.

Ihre Wahl der Förderpreisträgerin Stefanie Panzenböck begründete Spira damit, dass die Wiener Journalistin seit Jahren hervorragende Beiträge über die Kultur Wiens und die österreichische Politik schreibe, kritisch, gut recherchiert, souverän und unaufdringlich und manchmal auch im Widerspruch zu ihrer eigenen Auffassung stehend.

In seiner Laudatio sagte der Journalist und Publizist Dr. Franz Kössler, früherer Redaktionsleiter des ORF, Toni Spira beschreibe die Verfasstheit der österreichischen Gesellschaft konkreter als jede soziologische Studie, nicht zuletzt ihren Abgrund an Vorurteil und Rassismus.

In ihrer Rede gab Spira kurze, aber sprechende Einblicke in den soziologischen Wandel, den Österreich in den Jahrzehnten ihrer Arbeit erfahren habe. Heute seien etwa mehr Buddhastatuen als Kruzifixe in Österreichs Wohnstuben zu finden, und der Partnersuche in Internetforen könne sie noch immer wenig abgewinnen. Dem eigenen Land noch immer in freundlicher Distanz verbunden, verglich sie sich mit einer Afrikanerin, die ethnologische Studien im fremden Land treibe.

Der Lessing-Preis für Kritik wird seit dem Jahr 2000 gemeinsam von der Lessing-Akademie Wolfenbüttel und der Stiftung Die Braunschweigische verliehen und ist mit insgesamt 20.000 (15.000 + 5.000) Euro dotiert.


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