Prof. Dr. Peter Burschel, Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss, Referent Elmar Thevessen, Urban Überschär und Wilhelm Schmidt kurz vor Beginn der Veranstaltung in der HAB.

Wolfenbütteler Gespräche werden unter neuem Namen fortgesetzt

Die Wolfenbütteler Gespräche, die seit 2002 mit hochkarätigen Referenten und interessanten Diskussionen glänzen konnten, werden fortgesetzt.

Das war die Hauptnachricht der jüngsten Veranstaltung in der Herzog August Bibliothek (HAB). Die Reihe wird zukünftig unter einem neuen Namen laufen: „Wolfenbüttel. Quer gedacht“. HAB-Direktor Prof. Dr. Peter Burschel, Urban Überschär (Friedrich-Ebert-Stiftung) und Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss (Direktorin der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel) versicherten das den Gästen in der vollbesetzten Augusteerhalle. 

Allerdings, so Burschel, werde man Konzept und Gewand ein wenig ändern. Bleiben werde die Auseinandersetzung über politische und gesellschaftlich relevante Themen und Positionen.

So war das auch am vergangenen Dienstag. Der ursprünglich vorgesehene Vortrag des ZDF-Chefredakteurs Dr. Peter Frey über die „Rolle des Fernsehens im Zeitalter der digitalen Öffentlichkeit“ musste allerdings entfallen. Der Referent war an Grippe erkrankt. Es sprang Elmar Thevessen von der Hauptredaktion Aktuelles ein. Der ist bekanntermaßen der Terrorismusexperte des ZDF. Also ging es um Terrorismus bzw. um die Bedrohung Deutschlands und Europas durch eben den. Thevessen streifte nur kurz das ursprüngliche Thema. Laut einer Umfrage gebe es in der Bevölkerung erhebliche Meinungsunterschiede bezüglich der Glaubwürdigkeit der Medien. Die öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen haben danach einen sehr guten Ruf. Bei den Zeitungen sind die regionalen weit vorn. Grundsätzlich seien Vorwürfe an die Medien wegen Manipulationen der Öffentlichkeit keine neue Erfindung von AfD oder Pegida (Lügenpresse). Falschinformationen habe es schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegeben – Stichwort „Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges“.

Thema Terrorismus. Entgegen weitläufig herrschender Meinungen gebe es keinen Kampf der islamisch und christlich geprägten Kulturen. Das werde von fundamentalistischen Scharfmachern aber gern proklamiert. Wirkungsvoll bekämpfen könne man den Terrorismus nur, indem man ihm den fruchtbaren Boden abgrabe. Militärisch sei das nicht zu lösen. 

Thevessen klärte auf. Die von IS-Führern ausgerufene Pflicht zum Dschihad stehe nicht im Koran. Der Zweck heilige aber die Mittel. Und der Aufruf zum Dschihad falle auf fruchtbaren Boden wegen der eigenen schlechten Situation der Menschen im nahen Osten. Außerdem habe der Westen, namentlich die USA grobe Fehler gemacht im Umgang mit den islamischen Staaten. „Benachteiligte Menschen sind offen für die Thesen des IS“, sagte Thevessen. Was kann man also tun? Thevessen: „Wir müssen für die Menschen in ihren Heimatländern Perspektiven schaffen. Und Europa darf sich nicht spalten lassen.“

Die anschließende Fragerunde moderierte der AWO-Bundesvorsitzende Wilhelm Schmidt. Er war es, unter anderem, der die Idee zu den Wolfenbütteler Gesprächen hatte.


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