Das Wolfenbütteler Rathaus ist am Tag nach dem Anschlag in Berlin beflaggt.

Tag der Stille und des Gedenkens

Und plötzlich wurde es gestern Nachmittag ganz still auf dem Wolfenbütteler Weihnachtsmarkt. Die Besucher, die sich vor der Bühne versammelt hatten, senkten die Köpfe und gedachten gemeinsam mit Bürgermeister Thomas Pink, Propst Dieter Schultz-Seitz und Pfarrer Matthias Eggers der Opfer und deren Angehöriger nach den schrecklichen Ereignissen am Montagabend auf einem Weihnachtsmarkt in Berlin.

Diese haben auch in Wolfenbüttel für Bestürzung und Trauer gesorgt. Der gestrige Dienstag war daher auf dem Wolfenbütteler Weihnachtsmarkt zu einem Tag der Stille und des Gedenkens geworden. Die geplanten Veranstaltungen auf dem Markt wurden abgesagt, es wurde keine Musik gespielt und die Händler verhielten sich ruhiger als sonst – als Zeichen der Anteilnahme.

„Unser aller Albtraum ist wahr geworden“, sagte Thomas Pink in seinen Worten des Gedenkens und erinnerte an die Ähnlichkeit zu dem Anschlag in Nizza in diesem Jahr. Märkte und Feste seien besonders zu sichern, es würden andere Maßstäbe gelten, sagte Pink.

Auch in Wolfenbüttel habe man sich schon im Vorfeld Gedanken über die Sicherheit auf dem Weihnachtsmarkt gemacht und in enger Abstimmung mit der Polizei ein entsprechendes Konzept erarbeitet. Leider könne man sich nicht vor allen Gefahren wappnen, dies zu glauben, wäre falsch.

Der Gedanke, dass man sich vom Terror nicht vorschreiben lassen wolle, wie Feste gefeiert werden, sei gestern traurig gestört worden. „Weihnachtsmärkte strahlen eine friedliche Atmosphäre aus. Aber friedliche Weihnachten seien nach dem Anschlag gestern in Berlin nur noch schwer möglich. Trost spendet die Botschaft der Weihnachtsgeschichte“, sagte Pink, der die Wolfenbütteler dennoch dazu aufrief, sich die  traditionellen Bräuche von solchen Verbrechern nicht wegnehmen zu lassen.

„Wir wollen gemeinsam der Opfer dieser sinnlosen und feigen Tat auf dem Weihnachtsmarkt mit einer Schweigeminute gedenken“, sagte der Bürgermeister. Zuvor richtete Propst Dieter Schultz-Seitz Worte des Gedenkens an die Versammelten, fühlte mit den Opfern und Angehörigen und sprach ein Gebet. Der Weihnachtsmarkt möge auch weiterhin ein Ort der Begegnung, des Friedens und des friedlichen Miteinanders bleiben, wünschte er, bevor in einer Schweigeminute gemeinsam der Opfer und ihrer Angehörigen gedacht und es auf dem Weihnachtsmarkt ganz still wurde.

Pfarrer Matthias Eggers hatte das Licht von Bethlehem auf den Weihnachtsmarkt gebracht, das die Pfadfinder traditionell nach Wolfenbüttel getragen hatten. Es solle für die Opfer, ihre Angehörigen und alle, die sich Sorgen machen, leuchten. Auch er sprach Worte des Gedenkens und wünschte, dass kein Hass aufkommen und man sich von der Angst nicht lähmen lassen möge.

Am Ende wünschte der Bürgermeister allen „dennoch und gerade deshalb: ein gesegnetes Weihnachtsfest.“


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