Ortskuratorin besuchte Prinzenpalais in Wolfenbüttel

Wolfenbüttel. An der Restaurierung des Prinzenpalais in Wolfenbüttel beteiligt sich in diesem Jahr auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) mit 25.000 Euro. Nun besuchte am vergangenen Freitag, bei einem Pressetermin vor Ort Martina Wolff vom Ortskuratorium Hannover der DSD gemeinsam mit Thomas Baldzer von Lotto Niedersachsen, Dr. Ulrich Thiele, den Vorsitzenden des Vereins Kulturinitiative TonArt e.V., das Palais, um sich einen Eindruck von den Restaurierungsmaßnahmen zu verschaffen.

Thiele hat das Haus vor anderthalb Jahren gekauft, die restauratorischen Voruntersuchungen sind alle erledigt. Nun werde, so Thiele, häppchenweise saniert. Zunächst stehen sechs Fenster des Saales auf dem Plan.

 

Der Masterplan sehe eine langfristige Erhaltung des Gebäudes samt Nutzungsoptimierung vor. Alle Realisierungsabschnitte bauten aufeinander auf. Wichtig sei die Erneuerung der Beleuchtungstechnik sowie die Gewährleistung eines barrierefreien Zugangs. 

Verborgene Schätze wie Schablonenmalerei, die entdeckt worden sei, sollen freigelegt werden; das gelte auch für die abgehängten Decken, unter denen sich noch vieles verbergen könnte. Zunächst müsse jedoch erst einmal das Dach gemacht werden. 

Das Haus wird derzeit, so Thiele, vom Kunstverein, dem Kulturstadtverein (Sitz und Konzerte) und seit 1999 von der Kulturinitiative TonArt (vorher „Forum Kultur“) genutzt.

Für die Restaurierung seien fünf bis zehn Jahre (eher letzteres)veranschlagt, die Kosten würden mehrere Millionen Euro betragen. 

Geschichte des Hauses

An der repräsentativen Reichsstraße, gegenüber der Hauptkirche Beatae Maria Virginis, errichtete man um 1600 ein Eckgebäude, das in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts für Wohnzwecke des Erbprinzen Carl I. und seiner Frau Philippine Charlotte umgebaut wurde. Auch wenn das herzogliche Paar nur wenige Monate dort lebte, prägte dieser Aufenthalt doch die Namensgebung des Hauses. Das Prinzenpalais ist ein verputztes Fachwerkgebäude, dessen Fassadenbemalung einen Steinbau imitiert. Das Innere wird über eine barocke Treppenanlage erschlossen. Den Festsaal im ersten Obergeschoss prägt eine reichhaltige klassizistische Ausstattung. 

Ihr neues Domizil sei „reizend“, befand Philippine Charlotte. Ihrem Vater, dem preußischen König Friedrich Wilhelm, schrieb die Frischvermählte 1733: das Haus sei „sehr sehr klein, aber sehr bequem und sauber“. Nach der Hochzeit mit dem welfischen Kronprinzen, dem späteren Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel, war sie nach Wolfenbüttel gezogen. Eigens für das junge Paar hatte der herzogliche Hofbaumeister Hermann Korb ab 1722 das ehemalige Hofbeamtenhaus umgebaut und um einen barocken Anbau erweitert. 

Bereits 1744 wurde das Haus verkauft und wechselte in den folgenden 100 Jahren mehrfach den Besitzer, bis es 1846 von August Fink erworben wurde, der dort ein Bankhaus gründete. Bis in die 1990er Jahre blieb das Gebäude fortan im Besitz seiner Familie. 2016 übernahm das Haus Ulrich Thiele mit dem Verein Kulturinitiative TonArt. 

Das Prinzenpalais gehört zu den über 370 Projekten, die die private Denkmalschutzstiftung dank Spenden, Erträgen ihrer Treuhandstiftungen und Mitteln der Lotterie GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto, allein in Niedersachsen fördern konnte. 


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