Das Aufwerten der Berufe wurde das Auflassen der Luftballons symbolisiert.

600 Streikende bei Kundgebung auf dem Stadtmarkt

Mehr als 600 Mitarbeiter aus Sozial- und Erziehungsberufen fanden sich gestern zu einer Kundgebung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di auf dem Wolfenbütteler

Stadtmarkt ein. Vom Schützenplatz aus waren sie in einem Demozug quer durch die Stadt marschiert, um gemeinsam für Aufwertung und bessere Rahmenbedingungen zu kämpfen.

Silke Laatz von Ver.di hieß auf dem Stadtmarkt Streikende aus Wolfenbüttel, Braunschweig,
Wolfsburg, Bad Harzburg, Seesen, Königslutter und Peine willkommen. Außerdem begrüßte sie als solidarische Unterstützer Björn Hamening vom VW-Betriebsrat aus Salzgitter und den Leiter der kirchlichen Kindertagesstätte Martin-Luther zusammen mit Pastor Dose.

Die Sprecher machten ihre Forderungen nach mehr Anerkennung, Respekt und besserer Bezahlung deutlich. „Die Anforderungen und Qualifikationen in allen Berufen des Sozial- und
Erziehungsdienstes sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Es sind viele neue Aufgabenbereiche dazugekommen. Wir nehmen immer wieder neue Herausforderungen an und unsere Arbeit ernst – das sollten die Arbeitgeber auch tun“, forderte Erzieherin Sigrid aus dem Streikbüro Wolfenbüttel.

Die Mitarbeiter aus den Sozialund Erziehungsdiensten machten deutlich, dass sie ihre Berufe
bewusst gewählt hätten, um sich für die Schwächeren in der Gesellschaft einzusetzen und stolz
darauf seien, in ihren Berufen zu arbeiten. Man leiste eine wertvolle, verantwortungsvolle und professionelle Arbeit, die kaum Anerkennung finde und mu?sse viel Idealismus mitbringen, hieß es. „In meiner vierjährigen Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin habe ich kein Geld verdient“, sagt Erzieherin Gina. Und Sozialarbeiter Matthias Bosse ergänzte: „Einen sozialen Beruf muss man sich heute fast schon leisten können.“

Katja Wingelewski von Ver.di aus Hannover überbrachte aktuelle Nachrichten aus den Tarifverhandlungen. Seit Dienstagabend laufen die Gespräche. „Wir streiken seit über drei Wochen und warten jetzt endlich auf ein ernsthaftes Angebot der Arbeitgeber“, sagte sie. Es liege an ihnen, den Streik möglichst schnell zu beenden, bevor alle an ihre Grenzen gerieten. Sie nannte das bisherige Verhalten der Arbeitgeber „respektlos und ignorant allen gegenüber, die vom Streik betroffen sind“. Den Eltern dankte sie für ihre Solidarität.

Die Kundgebung endete mit dem Aufsteigenlassen von Luftballons, was symolisch die Aufwertung
der Sozial- und Erziehungsberufe darstellte.


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