Ein Erinnerungsfoto von der Freisprechungsfeier (v. l.): Marcel Knopf, Cyrill Schwarz, Chris-Leon Heine, Leon Lipke, Jonas Weniger, Stefan Stümpel, Thomas Hinz, Francisco Espejo-Trapote, Zefi Remoaldo, Gerd Upleger, Jens Gahren sowie Florian Grabenhorst.

Freisprechungsfeier der Dachdecker-Innung Wolfenbüttel-Salzgitter

„Mit Gunst und Verlaub“ – das war wohl am Freitag der meistgehörte Satz im Restaurant „Zum alten Dorfkrug“ in Hedeper. Die Dachdecker-Innung Wolfenbüttel-Salzgitter lud ihre Prüflinge zur Freisprechung ein. Sieben an der Zahl waren es, die erfolgreich bestanden haben und nun in den Gesellenstand gehoben wurden. Vor der Zeremonie hielt Obermeister Stefan Stümpel mit seinen Meister-Kollegen noch eine Mitgliederversammlung ab.

In der Reihe saß auch der neue Leiter der Carl-Gotthard-Langhans-Schule, Stefan Volkmann, und von der Lehrerschaft Jens Gahren. Stümpel berichtete über die Landesinnung und von Beschlüssen bei der Delegiertentagung. „Mein Eindruck ist, dass es wieder mehr Bewerbungen in unserem Handwerk gibt“, sagte er stolz. Viele Zuschriften erreichten ihn von Flüchtlingen. „Ich hatte in diesem Jahr so viele Bewerbungen wie noch nie“, sagte Stümpel. Die Aussicht im Dachdecker-Handwerk verbessere sich nach seiner Einschätzung.

Lehrlingswart Marcel Knopf erzählte darauf vom Verlauf der Gesellenprüfungen in St. Andreasberg. „Die Lehrlinge mussten dort ihr Können beim Stalldach und Pultdach unter Beweis stellen“, führte er aus. Als Zusatzaufgabe sollte ein Dachfenster installiert werden. Die Fachgespräche seien alle gut gelaufen. Knopf: „Wir waren sehr zufrieden.“ Ebenfalls Flachdächer und Fassadenarbeiten zählten zu den Prüfungsaufgaben. 

Gahren fügte hinzu, dass alle Prüflinge bewiesen hätten, dass sie ihr Handwerk verstehen, zumal es eine neue Prüfungsordnung gegeben habe. Die Kriterien seien verschärft worden. „Die Lehrlinge mussten zeigen, dass sie ein Pultdach berechnen und decken können“, so der Lehrer. „Das war schon nicht ganz ohne.“ Im ersten Lehrjahr fangen nach jüngsten Prognosen elf Lehrlinge an, im zweiten befinden sich elf, im dritten sechs Auszubildende.

Schulleiter Stefan Volkmann legte gleich mit Sympathie nach. Als gelernter Tischler war er bei den Dachdeckern nicht komplett Fachfremd. Seit August übernimmt er die Aufgaben von Peter Walte, der bereits Anfang des Jahres seinen Ruhestand antrat. Er sicherte zudem seine Unterstützung in der Zukunft an der Carl-Gotthard-Langhans-Schule zu.

Mit einem Vortrag von André Hannes vom Landesverband über Auflagen in der Entsorgungskette von Schutt und Dämmmaterial endete der erste Teil. Die anwesenden Vertreter aus Handel und Industrie notierten die leichte Kritik der Dachdeckermeister, die Umverpackung aus Palletten, Pappe und Folie zu prüfen und nach Möglichkeit zu reduzieren – auch aus Umweltschutzgründen. 

Dann war es irgendwann soweit. Die Prüflinge kamen mit ihren Eltern, Partnern und Firmenchefs dazu. Nach altem Brauchtum wurde die Freisprechung vollzogen. Drei Jahre dauerte die Lehre. „Die Lade wird geöffnet, um die Gesellen loszusprechen”, sagte Stümpel, zu Beginn der Zeremonie, als er die historische Truhe mit dem Innungsbuch und den Gesellenbriefen öffnete. Die Lehrlinge mussten ihm Rede und Antwort stehen und ihre Verbundenheit zum Dachdeckerhandwerk bekunden. „Mit Gunst und Verlaub“ hieß der ehrbare Satz. Zum Brauchtum zählte auch der „zünftige Gesellentrunk“. Aus einem antiken Kelch tranken die neuen Gesellen einen kräftigen Schluck Wein. Reihum wurde er gegeben, auch die Altmeister mussten. 24 Mal wurde angesetzt, dann war er leer. „Nur die rechte Hand darf den Kelch festhalten“, so Stümpel, der als erster einen Hieb nahm. Schließlich überreichte er mit dem Altgesellen Gerd Upleger die Gesellenbriefe und Präsente. Auch Frank Stautmeister von der AOK übergab kleine Aufmerksamkeiten. 

Im Anschluss gab es noch eine Meister-Taufe. Clarissa Heuer, Tochter vom Ehrenmitglied Uwe Heuer, musste einen weiteren Wolfenbütteler Brauch überstehen. Seit Ende Mai ist sie glückliche Meisterin. Als Zeremoniemeister half André Hannes. Von einem Firstziegel kippte er Hochprozentiges in ihren Mund, um zu prüfen, ob das Meisterstück – „ihre Kehle“ – auch dicht ist. Sie war es. Freude pur! Mit einem Spießbraten, Hähnchenbrustfilet, Kroketten, Salzkartoffeln und buntem Gemüse endete eine schöne Freisprechungsfeier bei vielen Gesprächen. 

Die neuen Gesellen und ihre Ausbildungsbetriebe: Francisco Espejo-Trapote (Firma Uwe Linde), Chris-Leon Heine (Firma Erich Marske), Thomas Hinz (Firma René Langenkämper), Zefi Remoaldo (Firma Friedrich Grabenhorst), Cyrill Schwarz (Firma Marcel Knopf), Jonas Weniger (Firma Holger Wilczak) sowie Leon Lipke (Firma Ole Kammerhoff). 


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