Im Tresorraum: Dr. Alfred Henning bei seinen Erläuterungen. Mittig im Hintergrund TonArt- Vorstandsmitglied Jörg Bansen, der bei dem Vortrag Referent war.

Sanierungsprojekt Prinzenpalais der Öffentlichkeit anschaulich vorgestellt

Vor einigen Wochen konnte die Kulturinitiative TonArt e.V. das Prinzip erwerben, um damit die Voraussetzung zu schaffen, Fördermittel in großen Dimensionen entgegennehmen zu können, die der Verein dringend braucht, um seinen Hauptsitz und Veranstaltungsort Prinzenpalais zu sanieren und zu restaurieren. Dass hier in einem Verein Kulturträger und Sanierungsträger vereint sind, ist das Erfolgsrezept – die Voraussetzung dafür, dass die ‚Inwertsetzung‘ nicht einen musealen Ort mit hohen Unterhaltungskosten zum Ergebnis hat, sondern stattdessen eine Stätte lebendiger Kulturvermittlung, die durch die in ihm tätigen Vereine nachhaltig unterhalten wird.

Um die Hintergründe, Rahmenbedingungen und planerischen Details der gewaltigen Sanierungsaufgabe der Öffentlichkeit zu vermitteln, hatte TonArt ins Prinzenpalais zu einem Informationsabend eingeladen, an dem Vorstandsmitglied Jörg Bansen in einer Power-Point-Präsentation auf die wechselvolle Geschichte des Fürstenhauses und die anstehenden Aufgaben einging. Deutlich wurde, dass der Verein hier ein Projekt für Wolfenbüttel schultert: der Stadt eines seiner bedeutenden Baudenkmale zurückzugeben – in restauriertem und mit Kulturleben erfülltem Zustand. Dabei ging Jörg Bansen noch einmal auf die verschiedenen Entwicklungsphasen des Hauses ein, das schon 1590 von Konsistorialsekretät Molinus erworben wurde, später Sitz des Festungskommandanten wurde bis es schließlich 1722 für Erbprinzen Carl I. und seine frisch vermählte Prinzessin Philippine Charlotte von Preußen einen repräsentativen Anbau durch den Hofbaumeister Herrmann Korb erhielt.

Auch auf die anschließende Nutzung durch die Bankiers- und Unternehmerfamilien Fink und Schünemann und ihre Verbindung zur Wolfenbütteler Loge ‚Wilhelm zu den drei Säulen‘ ging Jörg Bansen in einem anschaulichen und mit Anekdoten geschmückten Vortrag ein, als er z.B. die Eröffnungsveranstaltung in Anwesenheit der Vorbesitzerin Ursula Schünemann schilderte, die trotz fortgeschrittener Demenz zum Klaviervortrag auf ihrem noch vorhandenen Grotrian-Flügel an den richtigen Stellen Beifall klatschte. Mehrfach wurde der Vortrag durch Wortmeldungen und Beiträge der Anwesenden bereichert, die aus alten Zeiten in Kontakt mit der Familie Schünemann und dem Vorbesitzer Dr. Mathew John und seiner Lebensgefährtin Christa-Ilse Gerhard gestanden hatten. Besonders wurden Dr. Johns große Verdienste bei der Instandhaltung und Erstsanierung des Ensembles hervorgehoben, der damit die zwei Jahrzehnte Kulturarbeit im Prinzenpalais erst ermöglicht hatte. Inzwischen hat er sich in seine Heimat in Südindien zurückgezogen, wo er seinen Lebensabend verbringt, während ‚Christel’ Gerhard, die immer lebhaften Anteil in dem denkmalpflegerischen Aktivitäten genommen hatte, kürzlich verstorben ist.

Im Rahmen der Darstellung der verschiedenen geplanten Sanierungsphasen erläuterte Jörg Bansen den Zeitplan, den er im TonArt-Vorstand auf Basis der Planungsstudie des Architekturbüros Kleineberg (Braunschweig) erarbeitet hatte, die TonArt vor zwei Jahren für 165.000 Euro in Auftrag gegeben hatte, anhand eines Balkendiagramms. Auf die Restaurierung der Saalfenster, die gegenwärtig abgeschlossen wird, soll die Sanierung des Daches des Ostflügels folgen, begleitet von Arbeiten zur Barrierefreiheit, die den externen Aufzug, an dem besonders der Landesdenkmalpflege liegt, und dazugehörige Sanitäranlagen einschließt. Wie durch den Referenten geschildert wurde, sind Fördermittel in der erforderlichen Größenordnung bis zu 1 Million Euro für 2020 durchaus in erreichbarer Nähe – allerdings ist der Verein gefordert, bis zu 10 % Eigenmittelanteile dazu zu geben, die nur aufgrund von weiteren Spenden aufzubringen sind. Besonders auch deswegen wendet sich der Verein gegenwärtig an die Öffentlichkeit, für die das Projekt ja insgesamt gedacht ist – als Bereicherung der Wolfenbütteler Kulturszene um ein herausragendes Kulturdenkmal. Durch eine zunehmende Öffnung des Palais für breite Bevölkerungskreise sollen die Wolfenbütteler motiviert werden, durch ihren Beitritt zum Verein und Spenden zur Sanierung beizutragen. Als Ort für Seminare, Tagungen, Empfänge sowie für Musikunterricht und Schulprojekte sollen die Räumlichkeiten nämlich über die Kulturveranstaltungen der vier Kulturvereine hinaus genutzt und ausgebaut werden.

Im Anschluss an Vortrag und Diskussion fand noch eine Führung durch die Räumlichkeiten vom Festsaal über das Foyer und die Unterrichtsräume bis hinunter in den Tresorraum aus den Zeiten des Bankhauses Fink statt. Die Besucher zeigten sich beeindruckt von der Massivität des Gewölbekellers mit meterdicken Wänden, von den antiken Tresoren und Schließfächern mit schmiedeeisernem Dekor. Ein ansprechendes Foto des Tresorraums mit seinem eindrucksvollen Schließgitter findet sich auch im aktuellen Kalender des Lions Clubs Wolfenbüttel und der PR-Beauftragte des Lions Club, Dr. Alfred Henning, wusste über die Umstände der Erstellung dieses Fotos und anderer zu den historischen Treppenhäusern historischer Gebäude in Wolfenbüttel zu berichten.

Auch beim Kartoffelfest des Autohauses Bormann war TonArt e.V. am Wochenende mit einem Stand vertreten. Viele Besucher der Veranstaltung ließen sich über das Prinzenpalais und die Umstände seiner Sanierung informieren und zeigten Interesse an der Zukunft des für Wolfenbüttel so bedeutenden Baudenkmals.


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