Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter aus der Region gingen in Wolfenbüttel in den Austausch und ließen sich inspirieren für die gegenseitige Unterstützung und neue Perspektiven.

Niemand darf in seiner Trauer allein bleiben: Hospizvereine füllen Lücken in der modernen Gesellschaft

Die dunkle Jahreszeit hat begonnen. In deren erster Teil wird den Menschen mit den stillen Gedenktagen – Allerheiligen, Volkstrauertag, Ewigkeitssonntag – viel Raum für Tod und Trauer angeboten. In diesen Kontext gehört auch ein Treffen von mehr als 40 Ehrenamtlichen, die in der hospizlichen Trauerbegleitung engagiert sind. Eine (zunächst einmalige) finanzielle Förderung des niedersächsischen Sozialministeriums hatte diesen ersten übergreifenden Austausch zwischen Vertreterinnen und Vertretern von zwölf Hospizvereinen – von Celle bis Göttingen, von Barsinghausen bis Helmstedt – in der Kommisse ermöglicht.

„Angebote zur Trauerbegleitung gibt es erst seit Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre“, so die Referentin des Nachmittags, Petra Hugo. „Der Bedarf war dadurch entstanden, dass Trauernde immer seltener Unterstützung in ihrem nahen Umfeld fanden.“  Als Begleiter von schwerstkranken und sterbenden Menschen wurden die Hospizvereine zunehmend auf diese Lücke aufmerksam. Im Gefüge der Gesellschaft war eine gravierend neue Situation entstanden. So wurde ein Rahmen gesucht, in dem sich Trauernde in ähnlichen Situationen zusammenfinden und austauschen konnten. Heute ist die Begleitung dieser Gruppen (und auch Einzelner) durch Ehrenamtliche ein fester Bestandteil der Hospizvereine. Kosten für die Qualifizierung, Weiterbildung und die Begleitungen müssen ausschließlich über Spenden finanziert werden. In der Breite der Gesellschaft wird eine Mitverantwortung (noch) nicht gesehen. 

Der Austausch zwischen den Hospizvereinen brachte neben Übereinstimmungen auch so manche neue Idee zutage, über die man sich noch weiter austauschen muss. So resümierte Ina von Rössing von der Hospizinitiative Salzgitter nach anregenden drei Stunden: „Das war heute die Spitze des Eisberges. Wir brauchen regelmäßige Treffen, um miteinander und voneinander weiter zu lernen.“ Es wäre angebracht, dass dieser Wunsch in den Gremien des Landtages Resonanz findet.Der Vorstand des Hospizvereins Wolfenbüttel, Ausrichter dieses Nachmittags, hat sich über zahlreiche positive Rückmeldungen freuen können. Bemerkenswert war die Erfahrung, dass die derzeit acht Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter bereits ein umfassendes Programm bereitstellen: das monatliche Trauercafé als ein für alle offenes Angebot, geschlossene Trauergruppen, Einzelbegleitungen. Auch die ganz speziellen Zielgruppen sind ein Thema. So gibt es seit kurzem eine Trauergruppe für verwaiste Eltern. Für Kitas und die verschiedenen Schulstufen stehen „rollende Bibliotheken“ zu den Themen Sterben, Tod und Trauer bereit, die von den Einrichtungen ausgeliehen werden können. Und aktuell laufen die Vorbereitungen für ein Angebot, das sich an trauernde Kinder und Jugendliche richtet. Neben den finanziellen Mitteln für Qualifizierungskurse, Supervision u. a. braucht es dafür aber auch noch Menschen, die sich für diese Aufgaben zur Verfügung stellen.

Informationen über die Angebote der Trauerbegleitung und Möglichkeiten des Engagements: www.hospizverein-wf.de oder Telefon 05331/9004146.


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