Landrätin Christiana Steinbrügge

Landrätin Christiana Steinbrügge hält Rückblick

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

 

der Neujahrstag ist die einzige wichtige Veränderung, die von selber eintritt, so heißt es beim tschechischen Schriftsteller Pavel Kosorin. Alles andere müssen wir uns erarbeiten. So haben wir es auch 2019 gehalten.

Gleich zu Beginn des Jahres haben wir eine neue Verwaltungsstruktur umgesetzt mit jetzt fünf Dezernaten. Mit dieser Weichenstellung wollen wir unsere Pflichtaufgaben noch besser wahrnehmen. Wir möchten aber auch gestalten können, um den Landkreis zukunftsfest zu machen.

Die Digitalisierung kristallisiert sich als eine Mammutaufgabe für die kommenden Jahre heraus. In Zukunft sollen viele Verwaltungsvorgänge digital bearbeitet werden, damit Sie Ihre Anliegen schneller und bequemer erledigen können. Mit einigen Dienstleistungen wie zum Beispiel der Autozulassung ist das schon heute möglich. Nach und nach werden weitere Bereiche dazukommen.

Voraussetzung für die erfolgreiche Digitalisierung ist ein leistungsfähiges Breitbandnetz. Diesen Ausbau haben wir schon früh selbst in die Hand genommen. Aktuell verdichten wir das Netz in bisher unterversorgten Gebieten und schließen bei dieser Gelegenheit auch weitere Schulen und Gewerbegebiete an. Dafür konnten wir kurz vor Weihnachten einen Förderbescheid des Landes in Höhe von 2,5 Millionen Euro entgegennehmen.

Im September hat der Kreistag mit seinem Beschluss dem Thema Nachhaltigkeit noch einmal Nachdruck verliehen und gibt der Verwaltung Rückenwind, um die Entwicklung des Landkreises in Richtung Nachhaltigkeit zu steuern.

Das Ziel ist eine ökologisch, ökonomisch und sozial ausgewogene Entwicklung. Dazu haben wir für den Landkreis Wolfenbüttel drei Leit–ideen entwickelt: „Mehr Zeit für Menschen“, „Besser statt mehr“ und „Das Lokale gewinnt an Bedeutung“.

„Mehr Zeit für Menschen“, damit meinen wir, dass wir auf das Miteinander und Füreinander und damit auf den sozialen Zusammenhalt im Landkreis setzen. Ein Beispiel dafür ist der Inklusions-Workshop, der im Oktober stattfand. Mit rund 200 Teilnehmenden aus Verbänden, Einrichtungen und Ehrenamtlern haben wir einen breiten Beteiligungsprozess gestartet. Das Ziel ist ein kommunaler Handlungsplan Inklusion, mit dem wir allen Menschen im Landkreis gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen möchten.

„Besser statt mehr“ lautet die zweite Leitidee. Damit setzen wir auf Qualität statt auf Quantität und möchten einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten. Ich bin überzeugt davon, dass wir deutlich mehr tun müssen als bisher, um den folgenden Generationen eine bewohnbare Erde zu hinterlassen. Deshalb freue ich mich über das Engagement der jungen Menschen in Sachen Klimaschutz.

Dazu gehört auch, die Mobilität umfassend neu zu denken. Daher koordinieren wir das Netzwerk Elektromobilität. Angeboten werden z. B. die E-Auto-Testwochen, in denen Bürgerinnen und Bürger eine Woche lang testen können, wie E-Mobilität in den eigenen Alltag eingebaut werden kann. Mit dem Ausbau der Bahnhöfe Börßum und Schöppenstedt haben wir den Nahverkehr gestärkt und das Angebot für Pendlerinnen und Pendler verbessert. Auch konnten wir neue Radwege eröffnen, etwa von Sickte nach Apelnstedt oder von Cremlingen nach Hordorf.

Mit der dritten Leitidee „Das Lokale gewinnt an Bedeutung“ stellen wir unsere regionalen Themen in den Vordergrund. Angefangen von unseren Stärken als gute Wohnadresse in der Region, als Hochschul- und Wirtschaftsstandort, als Marktplatz für regional erzeugte Produkte bis hin zu den zahlreichen Attraktionen für Freizeit und Erholung. Ich denke an die Gutshöfe, Rittergüter und Burganlagen, an den Naturpark Elm-Lappwald oder den Geopark. 

Daher haben wir im April die 1. BraunschweigerLANDpartie gestartet. Daran haben rund 10.000 Menschen teilgenommen und mit dem Fahrrad die Region zwischen Elm und Asse erkundet. Viele Höfe, Künstlerateliers, Heimatstuben und Privatleute haben Tür und Tor geöffnet und Einblicke in besondere Orte gewährt. Das wäre nicht möglich gewesen ohne das Anpacken und Mitmachen vieler Menschen vor Ort. Dafür noch einmal herzlich Dank!

Auch hier hat sich wieder einmal gezeigt, dass ohne freiwilliges Engagement Vieles nicht funktionieren würde. Salopp gesagt: Ohne Ehrenamt ist nichts los. Das gilt in kleinen Gemeinschaften, wie Nachbarschaften, Vereinen und Dörfern, wo jedes Dorffest die Dorfgemeinschaft zusammenhält, ebenso wie für unser ganzes Land. 

Da die BraunschweigerLANDpartie so gut aufgenommen wurde, werden wir im kommenden Jahr am 13. September die zweite Auflage veranstalten. Diesmal entlang der Oker zwischen Wolfenbüttel und Schladen. Merken Sie sich den Termin vor und machen Sie mit! Wir freuen uns auf Sie!

Es gab in diesem Jahr aber auch viele nachdenkliche Momente. Nach dem Attentat auf die Synagoge in Halle haben wir im gemeinsamen Schweigen an die Opfer gedacht. Nur auf den ersten Blick ist die Terrortat von Halle die eines Einzelnen. In Resonanz- und Echoräumen wird zur Verachtung, Ausgrenzung und Gewalt angestachelt. Dem müssen wir unser vernehmbares „Nein!“ entgegensetzen. Denn Demokratie ist nicht selbstverständlich, sie lebt vom Mitmachen und sie muss immer wieder aktiv verteidigt werden.

30 Jahre Mauerfall – auch dieses Ereignis hat uns bewegt. Mit einem großen Festakt im Lessingtheater haben Landkreis und Stadt Wolfenbüttel dieses Jubiläum gebührend gefeiert. Viele Menschen im Landkreis Wolfenbüttel waren von der deutsch-deutschen Teilung unmittelbar betroffen, denn die Grenze lag direkt vor unserer Haustür. Die Zeiten, in denen der Landkreis Zonenrandgebiet war, sind vorbei. Dafür bin ich dankbar. 

Liebe Bürgerinnen und Bürger, 

ich wünsche Ihnen einen guten Start in das neue Jahr 2020. Bleiben Sie gesund! Für Ihre privaten und beruflichen Pläne wünsche ich Ihnen viel Erfolg und die nötige Portion Glück. 

Herzliche Grüße

Christiana Steinbrügge

Landrätin


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