Vor dem großen Deutz auf dem landwirtschaftlichen Hof (v.l.): Junglandwirt Till Berkelmann, Bürgermeisterin Dunja Kreiser, Ferdinand Berkelmann sowie Ortsbrandmeister Oliver Danz.

Familie Berkelmann stellt Betrieb auf Biolandwirtschaft um

Es sind Begriffe wie Tierwohl und Nachhaltigkeit, die dem einstigen Politikstudenten wichtig sind. Seit gut einem Jahr ist der Familienbetrieb mit der Umstellung beschäftigt. Kein leichter und vor allem kein kurzer Prozess. Till Berkelmann schob bei dem Vorhaben seinen Vater Ferdinand an. Nach seinem Studium arbeitete er zunächst als Unternehmensberater. Doch dann kam das Umdenken. Er wollte wieder vermehrt auf dem Feld mithelfen. „Ich bin hier in Hachum zuhause. Hier hat man die Möglichkeit zu gestalten, hier gibt es eine Perspektive, ich möchte Dinge verändern“, erklärte er auf dem großen Hof inmitten seines Wohnortes.

Familie Berkelmann bewirtschaftet 110 Hektar in der Samtgemeinde Sickte. In der Region ist die Familie bekannt. Auf Wochenmärkten und in Discountern findet man ihre Produkte. Auch ihr Hofladen wird gerne aufgesucht. „Neben Zuckerrüben, Getreide, Raps und Mais bauen wir auf unseren Flächen Früh- und Spätkartoffeln und Zwiebeln an. Der Trend zu regionalen Lebensmitteln hält an“, schickte Ferdinand Berkelmann einem interessanten Gespräch voraus. Er übernahm den Betrieb schon von seinem Vater. Jetzt haben sie vier Mitarbeiter. 

Weg von der konventionellen Landwirtschaft und hin zur Biolandwirtschaft sei arbeitsintensiv. „Wir dürfen dann keine mineralischen oder chemischen Dünger mehr verwenden. Ich bin aber erstaunt, wie gut das eigentlich klappt“, fügte er hinzu. Biobauern erhalten einen anderen Blickwinkel auf ihre Arbeit. Wirtschaften im Einklang mit Mensch, Tier und natürlichen Ressourcen. Umweltverträgliche Erzeugung von Nahrungsmitteln wird den Kunden immer wichtiger. „Böden, Artenvielfalt, Gewässer und Klima sind wichtige Faktoren“, sagte Till Berkelmann, der jetzt mit einem dualen Studium zur ökologischen Landwirtschaft einen weiteren Bildungsweg einschlug. „Die praktische Ausbildung ist der klassische Landwirt.“ Corona-bedingt finden seinen Vorlesungen derzeit nur online statt. 

Bürgermeisterin Dunja Kreiser meinte, dass die Region prädestiniert sei für solche Umstellungen. „Die Düngeverordnung hat die EU beschlossen und gilt für alle Äcker.“ Zwar gebe es bei den hiesigen Landstücken keine Auffälligkeiten, doch wurden nun auch Regeln für Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln geschaffen. Viele Landwirte schlagen Alarm, weil sie Einbußen befürchten. Auch die Beobachtung und Dokumentationspflicht seien jetzt eine andere. 

Familie Berkelmann versuchte schon vorab auf viele Stoffe zu verzichten und investierte vor einiger Zeit in eine Beregnungsanlage. „Die Dürre wird für uns immer mehr zum Problem“, sagte Ferdinand Berkelmann. Auf einem seiner Äcker steht ein Brunnen, der früher für die Trinkwasserversorgung der Gemeinde Dettum genutzt worden sei. Neben Mais und Weizen sollen Kartoffeln, Ackerbohnen und Braugerste künftig den grünen Daumen haben. Biologische Insektizide gegen Kartoffelkäfer oder Kupfer gegen Kraut- und Knollenfäule bei den Erdäpfeln seien erlaubt. Das Nährstoffmanagement sei deutlich komplizierter. „Der Anbau von Raps und Zuckerrüben lohnt sich wahrscheinlich nicht, denn die Pflege ist intensiver“, meinte der Junglandwirt. Für ihn gehe es auch darum, offenzulegen, wie gearbeitet und angebaut wird. Transparenz schaffen. 

Zur Umstellung müssen die Felder vorbereitet werden. Das erfolge dadurch, dass sie etwa zwei Jahre lang ruhen müssen zur Entschlackung.

„Im April 2021 wollen wir die ersten Biokartoffeln pflanzen. Im Juni können wir sie dann ernten“, so die Hachumer. Die Arbeit wird sich laut ihm erhöhen. Und auch die Preise werden andere sein. „Mit reinem Idealismus geht das nicht“, gestand er. Zuversichtlich waren Vater und Sohn aber dennoch. Denn der Markt bei der konventionellen Landwirtschaft sei hart, begleitet von Preisschlachten. Die Nachfrage nach Biozucker aber nehme zu. Dier Berkelmanns betonten: „Unter den Bio-Kunden herrscht ein viel besserer Umfang.“ Denn nicht nur Privatkunden seien bereit, für die Produkte aus dem Braunschweiger Land mehr auf den Tisch zu legen. Der Landwirt von nebenan baut seine Produkte eben noch mit Liebe an. 


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