Gestern Abend fand die Einweihung mit einem 5-Kampf statt. Lasso werfen, Spuren lesen, Hufeisen werfen, Messer werfen und Pokerrunden gehörten dazu. Zudem wurden Spanferkel und Pitcher serviert.

In Schulenrode lebt der Wilde Westen wieder auf

„Komm, hol das Lasso raus, wir spielen Cowboy und Indianer“. Das singt Olaf Henning auf so manchen Schlagerfeten. Nicht aber in Schulenrode. Denn dort tummeln sich seit einiger Zeit echte Cowboys. Und das auch außerhalb der närrischen Jahreszeit. 13 feine Herren haben sich den Gepflogenheiten des wilden Westens angenommen. Sie alle wohnen in der kleinsten Ortschaft der Gemeinde oder sind mit ihr tief verwurzelt. „Angefangen hat alles 2012“, sagte Manfred Garske, der die Gruppe als „Shorty Lonnegan“ zusammenhält. In dem besagten Jahr fuhren sie das erste Mal in die Pullman City, in die lebende Westernstadt im Harz. „Wir haben gemeinsam den Ort entdeckt und waren sofort begeistert“, fügte er an. Einmal im Jahr buchen sie sich über ein Wochenende dort ein, bei der Abreise werden gleich die Zimmer fürs nächste Jahr gebucht. Nach und nach schafften sie sich ihr Outfit an. „So mancher Euro geht dabei drauf“, zwinkerte der 80-Jährige, während er beim Erzählen seine Tabakpfeife bestückte.

Wenn die Western-Fans im einheitlichen Look auftreten, dann komme das nicht nur vor Ort gut an. Betreten sie im Harz einen Saloon, haben sie Rollen und jeder einen neuen Namen. Da heißt Dennis Lachmann auf einmal Jamie Gatling, Florian Leiche wird Butcher Cohen, Till Klütz zu Will Crumble, Karsten Bosse zu Jake Hipshooter, Heinrich Bosse zu Dudly Tablesleeper, Florian Wolk zu Wesley Bredcutter, Thomas Leiche zu Web Slaughter, Andre Heise zu Smily Woodman, Sebastian Mädge zu Rob Newman, Jan Klütz zu Iran Fletcher, Ernst Hohrenk zu Morgan Weasel und Daniel Spielmann heißt dann Lee Landers. „Das falsche Ansprechen kann teuer werden“, flachste er. Vor Ort drehten sie auch schon einen Film, der auf Garskes rundem Geburtstag im November den Gästen gezeigt wurde. 

Schließlich reifte die Idee für einen eigenen Saloon in Schulenrode. Seine Crew musste Garske nicht überreden. Alle waren gleich Feuer und Flamme. So legten alle Goldmünzen zusammen, um einen alten Raum umzuwandeln. Dort kam ein Holzfußboden rein. „Von Mitte Juni bis Ende August waren wir im Gange“, sagte er. Ein neues Fenster, Vertäfelung, eine Sitzgruppe und Stehtische. An der Decke hängt ein Schild: CT Saloon. So heißt ihr schnieker Saloon. CT steht dabei für Cattle Trail. Doch das reichte noch nicht. „Manni“ ist gelernter Dekorateur und Cartoon-Zeichner. Daher gehörten ihm die Wände. Auf einem DIN-A4-Blatt entwarf er Ideen und projizierte es dann auf den Raum. Steht man drin, ist man richtig baff. Detailgetreu und mit viel Herzblut. Da jagen Cowboys eine Rinderherde, kämpfende Indianer und ihre Tipis sowie die weite Landschaft Amerikas. „Ich möchte die Geschichte erzählen. Das war eine hartumkämpfte Zeit. Viele Cowboys hatten keine Pferde, es gab Sklaverei.“ Sein Wissen eignete er sich aus Büchern an, zudem hat er einen Freund in den USA. Über den organisierte er fünf Bilder von Häuptlingen. „Das sind Indianer-Originale, richtig schöne Accessoires“, freute er sich. Darüber hängt ein Stierkopf, den er aus einem Antiquitätenladen besorgte. Ein Karibou-Geweih gibt es auch. Zwischen den Trophäen hängt aber ein großes Bild von der Gruppe, eine Erinnerung von einem Besuch von Pullman City. Uralte antike Lampenschirme leuchten den Raum dezent aus.

„Wir sind ein eingeschworener Haufen. Ich bin richtig stolz auf die Truppe“, betonte er. Gefunden hatten sie sich schon früh über die Feuerwehr. Dass er deutlich älter ist, stört ihn nicht. Sein Herz schlägt für den Nachwuchs. Von außen erkennt man den Raum nicht direkt, denn auch dort malte Garske mit einem feinen Pinsel einen Knast und seine Insassen. Vor der Gefängnistür gibt es eine Garderobe für Hüte und Mäntel. Alles Handarbeit, versteht sich. Gestern Abend fand die Einweihung mit einem Fünf-Kampf mit Lasso werfen und Spuren lesen statt. 

Der befreundete Indianerstamm Oglalla – die Sioux aus Schandelah – waren Corona-bedingt nicht dabei. An die Regeln hielten sie sich aber dennoch, denn schon damals zog man die Halstücher tief ins Gesicht. 


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