Bei der Durchzündung sammelte sich zunächst dichter grauer Rauch, gefolgt von einer langen Stichflamme. Die Hitzeentwicklung war enorm.

Spektakuläre Ausbildung: 20 Feuerwehrkräfte erlebten hautnah den Flashover

Draußen in der Sonne 30 Grad Celsius, laues Lüftchen. Im Brandcontainer brutzelten weit über 1.000 Grad Celsius. Was die Feuerwehren gestern erlebten, war spektakulär. Das Know-how, das sie nun bei künftigen Einsätzen anwenden können, bringt sie nach vorne. Sebastian Drews, Christoph Labion und Hölger Brösel gründeten Anfang des Jahres das Start-Up-Unternehmen „Fire-BeCondA – Bewegliche Container Ausbildung“ mit dem Sitz in Apelnstedt.

Alle Drei sind bei der Berufsfeuerwehr Wolfsburg angestellt und haben damit schon viel Fachwissen gesammelt, das sie nun in die Ortswehren tragen. So auch gestern Vormittag. „Je zehn Kameraden aus Kissenbrück und aus Wolfenbüttel sind bei der Heißausbildung dabei“, erzählte Drews. Mit ihrem LKW wollen sie künftig durch die ganze Republik fahren. Schlepper, Anhänger und jede Menge Ausrüstung – eine fünfstellige Zahl investierten sie. „Bei dem Auflieger handelt es sich um einen 15 Tonnen schweren LKW-Container“, sagte Brösel, der „nach unseren Wünschen von einem Stahlbauer gefertigt wurde. Acht Millimeter Stahl.“ Innen haben sie Lautsprecher und Kameras. Christian Essner baute die EDV-Technik mit seiner Firma ein. 

Im hinteren Bereich befindet sich die Brennkammer. Die war gestern bis oben hin voll mit Paletten. Mit einem Gasbrenner zündeten sie den Stapel an. „Die Idee zum Projekt kam uns bei der Arbeit“, gab Drews an. „Wohnungsbrände gibt es durch Rauchmelder zum Glück nicht mehr so häufig. Sie werden heute frühzeitig erkannt.“ Die meisten Feuerwehrleuten auf dem Dorf bleiben von dieser Erfahrung verschont, dennoch müsse man dafür üben. „Was passiert, wenn man die Wohnungstür öffnet und es eine Durchzündung gibt? Genau das wollen wir zeigen“, ergänzte der Geschäftsführer. Aber auch Firmen wollen sie ihre Leistungen anbieten. Denn auch da nannte er ein Beispiel: „Viele Brandschutztüren, die im Brandfall zufallen sollen, werden mit Keilen behindert.“ Mit ihrem mobilen Truck bilden sie bedarfsgerecht aus. So setzen sie Nebelmaschinen ein. „Mitarbeiter können das dann trotzdem visuell zeigen“, so Drews. Die Ortswehr Königslutter habe auch schon angefragt. 
Der gestrige Tag war in drei Steps eingeteilt. Es ging ums Rauchlesen, Personenrettung und um ein Hohlstrahlrohrtraining. Zunächst aber eine Sicherheitsbelehrung. „Es geht darum, Vertrauen in die Schutzkleidung aufzubauen“, erzählte Mitorganisator und Wolfenbüttels Zugführer Tobias Hecht. Er regte zusammen mit René Lohse, dem stellvertretenden Wehrleiter aus Kissenbrück, die Ausbildung an. Damit die Kleidung kein Schaden nahm, zogen sie sich weitere Hitzeponchos über. Ein Vorteil von Fire-BeCondA sei, dass sie die komplette Ausrüstung mitliefern können. „So bleiben Feuerwehren einsatzbereit“, sagte er. Beim Stahlhersteller in Salzgitter probierten sie ihren Truck aus. Der gestrige Tag war in der Form aber der allererste. Die Teilnehmer waren alle begeistert. 

Dann das Kommando zum Anziehen. Gegenseitige Kontrolle, ob die Haut bedeckt ist. Der Holzstapel brannte schon gut. Eine schwarze, beißende Rauchwolke zog über Kissenbrück. Türen des Containers wurden geschlossen, gezielt wurde Sauerstoff zugeführt. Die 20 Kräfte nahmen drinnen Platz. Sie spürten, wie die Hitze langsam nach unten wanderte. Irgendwann kam die Durchzündung. Flammen loderten am Kopf entlang. Draußen standen zwei Eimer mit Wasser, um die Hände und den Kopf zu kühlen. „Wenn ihr warme Hände habt, sind eure Handschuhe nicht mehr gut“, rief Hecht. Auch Dirk Jürgens und Lars Marquardt, Wolfenbüttels stellvertretender Wehrleiter, zählten zu den Ausbildern. Letzterer erzählte Stadtbaurat Ivica Lukanic einiges über die Durchzündung, der mit seiner Familie interessiert zuschaute. Die war so gewaltig, dass die Druckwelle die Türen aufdrückte. Dichter grauer Rauch baute sich auf, gefolgt von einer langen Stichflamme. „Pyrolysegase“, sagte Drews. Das sind unverbrannte Gase, die sich sammeln. Bei einer Zuführung von Sauerstoff (Türöffnung Hausbrand) entzünden die sich schlagartig – ein Flashover. 

Bei der zweiten Übung wurden Stühle, Tische und Schränke reingestellt. Und ein 80 Kilogramm Dummy. Die Personensuche war keinesfalls einfach. Schwerstarbeit. Hechelnde Kameraden, die tief nach Sauerstoff schnappten, rotangelaufene Köpfe. „Trinken nicht vergessen“, rief Mitarbeiter Stefan Freydank. Wie fühlt sich nur solch ein krasser Temperaturunterschied an? 

Die Hitze fühlten die Teilnehmer erst recht beim dritten Teil. Mit dem Hohlstrahlrohr wurden die heißen Gase heruntergekühlt. Kurze Sprühstöße. „Der Wasserdampf geht irgendwann durch die Kleidung und entfernt den Schutz“, erklärte Drews, der völlig dehydriert schien, weil er mehrfach in kurzer Zeit reinmusste. „Ein Liter Wasser werden zu fast 1.700 Liter Wasserdampf.“ Eine enorme Volumenzunahme, die jeder Saunagänger erahnen kann, der nur eine kleine Kelle aufgießt. 


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