Nur fürs Foto nahm der 1. Vorsitzende der Verkehrswacht Wolfenbüttel sein Handy in die Hand. Florian Brunn von der Polizei Wolfenbüttel hätte im Realfall 100 Euro verlangt.

Die Polizei hat telefonierende Verkehrsteilnehmer im Blickfeld

Die altbekannte Aussage „Handy am Steuer, das wird teuer“ lässt den Hinweis auf die Gefährlichkeit einer Ablenkung im Straßenverkehr nicht erkennen. Die nachgewiesenen Unfallursachen, die mit einer Ablenkung im Zusammenhang stehen, haben sich in den letzten Jahren deutlich erhöht.

Auf der Landstraße, allein mit dem Pkw unterwegs, nicht angepasste Geschwindigkeit, ein plötzliches Abkommen von der Fahrbahn – mitunter auch auf gerader Strecke – und dann der Anprall an einem Straßenbaum. Diese Anzeichen sind für die Polizei Hinweise darauf, dass entweder Müdigkeit oder eine Ablenkung neben der Geschwindigkeit eine maßgebliche Rolle für den Unfallhergang gespielt haben. 

In Niedersachen kamen nach den Angaben der Polizei im Jahr 2019 insgesamt 43 Personen in der Altersklasse zwischen 18 und 24 Jahren bei einer Kollision in Zusammenhang mit 120 Baumunfällen ums Leben. Bei diesen Unfällen konnte definitiv eine unmittelbare Handybenutzung nachgewiesen werden. Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen.

Durchschnittlich 200 Verstöße hat die Polizei Wolfenbüttel auf den Straßen in Stadt und Landkreis in den Jahren 2017 und 2018 jährlich festgestellt. Diese Verstöße haben sich im Jahr 2019 auf 400 verdoppelt. Diese alarmierende Entwicklung ist ein Grund dafür, dass mit der Präventationsarbeit von Polizei und Verkehrswacht keinesfalls nachzulassen ist.

Mit der Kampagne „Tippen tötet“ ist die Polizei, nach Angaben der Präventationsbeauftragten Simone Hartmann, nicht nur im Landkreis Wolfenbüttel präsent, sondern generell im gesamten Land Niedersachen. Das Ziel von Polizei und Verkehrswacht bleibt es, dem leichtfertigten Umgang mit dem Handy am Steuer entgegenzuwirken. Der Trugschluss, es werde schon gut gehen, bleibt weiterhin mit einem sehr hohen und lebensgefährlichen Risiko für Fahrer und weitere Verkehrsteilnehmer verbunden.

Und teuer kann ein Handyverstoß inzwischen auch werden. Florian Brunn von der Polizei Wolfenbüttel machte deutlich, dass bei derartigen Fällen ein Bußgeldtatbestand vorliege. Ein Ermessenspielraum gebe es hierfür nicht mehr. Werde man von der Polizei ertappt, schlage dieser Verstoß mit 100 Euro Bußgeld und einem Punkt in der Verkehrssünderdatei zu Buche. Auch telefonierende Fahrradfahrer bleiben nicht unberücksichtigt. Hier kostet ein Verstoß 55 Euro.

Bei einer Kontrolle auf dem Neuen Weg hat die Polizei innerhalb von zweieinhalb Stunden sechs Handyverstöße geahndet. Nachdem ein beobachtender Beamte den Verstoß erkannt hatte, sahen die Fahrzeuglenker wenige hundert Meter weiter die rote Anhaltekelle. Die Verursacher zeigten sich insgesamt sehr einsichtig. Gegen ein eventuelles zukünftiges Vergessen erhielten die ertappten Verkehrsteilnehmer im Rahmen dieser Aktion durch Polizei und Verkehrswacht eine kleine Aufmerksamkeit zum Thema „Tippen tötet“.

Aufgrund des enormen Anstiegs der Handy-Verstöße, insbesondere bei jungen Autofahrern, wird die Polizei weiterhin verstärkt kontrollieren.


ANZEIGE