Diese Notfallseelsorger helfen in dunklen Zeiten. Sie werden gerufen, wenn manch anderen schwierige Sätze nicht über die Lippen gehen. Sie finden Worte, geben Beistand, trösten.

Notfallseelsorger helfen in dunklen Zeiten

Erste Hilfe für die Seele. Sie werden gerufen, wenn manch anderen schwierige Sätze nicht über die Lippen gehen. Dann kommen sie und finden Worte, geben Beistand, trösten. Nach Unfällen, Bränden, häuslichen Todesfällen oder Suiziden. Es gibt Tage im Leben, die schrecklich sind. Oftmals verbunden mit dem Gefühl von Hilflosigkeit, Ohnmacht oder Angst. Ein Fall für die Notfallseelsorge. „Wir sind ein Team aus 16 ehrenamtlichen Seelsorgern“, so Pfarrer Frank Ahlgrim, Koordinator der Notfallseelsorge im Landkreis Wolfenbüttel.

Zu ihnen zählen sechs Pfarrer, die neben ihrem Dienst in der Gemeinde sich zusätzlich einbringen und eine Zusatzausbildung absolviert haben. Das Deutsche Rote Kreuz in Wolfenbüttel unterhält zudem das Kriseninterventionsteam (KIT). Acht Ehrenamtliche werden dort zur psychosozialen Notfallversorgung gerufen. Diese Gruppe leitet Sibylle Schumacher. „Seit 2008 gibt es das KIT“, sagte sie. Spätestens eine Stunde nach Eintritt eines Schadensereignisses sollen sie an der Einsatzstelle mit Einsatzjacke oder lilafarbener Weste eintreffen. 

Das Konzept der Notfallseelsorger wurde im Landkreis 2005 überarbeitet. „Zu dem Zeitpunkt konnte die Aufgabe allein durch Pfarrer nicht mehr gestemmt werden“, sagte Ahlgrim. Etwa 50 bis 60 mal werden die Helfer im Jahr gerufen, wenn für manche Betroffene eine dunkle Zeit beginnt. Ahlgrim betonte, dass alle, die zum Team zählen mit Herz und mit großer Überzeugung dabei sind und für die Bevölkerung da sind. Ahlgrim legte dar, dass 1999 lediglich vier Pfarrer für die Notfallseelsorge im Landkreis zur Verfügung standen. „Es gab ein Diensthandy, das vierteljährlich weitergegeben wurde“, sagte er. Jetzt stellt er als Koordinator einen Bereitschaftsplan auf. 2015 übernahm er diese Aufgabe. Bei administrativen Aufgaben unterstützt Christian Wolff. Mehrmals im Jahr treffen sich alle, zudem gibt es fortlaufend Fortbildungen, wobei beide Gruppen für sich getrennt aufgestellt sind. 

Eine mehr als 80 Stunden umfassende Ausbildung sowie mehrmonatige Hospitationsphasen durchlaufen die Ehrenamtlichen, um sich für diesen „Dienst am Nächsten“, der durch einen plötzlichen Todesfall oder ein anderes belastendes Ereignis in eine seelische Notsituation geraten ist, zu qualifizieren. „Wir stehen rund um die Uhr an 365 Tagen zur Verfügung“, fügte Ahlgrim an. Alarmiert werden sie über die Rettungsleitstelle. Alle haben dafür eine Handy-App. Über die erhalten sie alle Infos zum Einsatz, können sich darüber navigieren lassen. Oftmals treten sie auch in telefonischen Kontakt mit dem Disponenten, oder sprechen mit Polizisten oder Feuerwehrleuten, um mehr Details zu erhalten. Zwar obliege die Übermitteilung einer Todesnachricht der Polizei, dennoch treten oftmals hinterher die Fragen der Angehörigen auf, wie es dazu kam. 

Hans-Dieter Gisecke zählt zu den Helfern. „Die Zusammenarbeit mit der Polizei funktioniert sehr gut. Es ist wichtig, Hintergründe von der Polizei zu erfahren, die wir den Angehörigen erklären“, meinte er. Die Trauer könne man Menschen nicht abnehmen. „Es geht vielmehr darum, einfach nur da zu sein, zuzuhören, Fragen zu beantworten oder auch gemeinsam Schweigen auszuhalten“, ergänzte Gisecke. Pfarrer Thomas Posten aus Destedt führt einen Einsatzrucksack im Auto mit. „Da ist ein Gebetsbuch drin, ein Teddybär für Kinder, Handschmeichler, ein Kreuz und ein Autoschild“, zählte er auf. Zudem gibt es Telefonlisten, damit sie schnell wichtige Ansprechpartner im Landkreis finden. Posten war sogar für seine Ausbildung einmal bei der Leistelle in Wolfsburg. „Das war sehr interessant zu sehen, wie die Arbeiten und Alarmierungen ablaufen“, schilderte er. 

Auf der To-do-Liste steht bei Ahl-grim die Anschaffung von Sicherheitsschuhen, die an Einsatzstellen verpflichtend seien. Das Landeskirchenamt habe signalisiert, Geld dazuzugeben. Einer der jüngsten Einsätze war der Wohnhausbrand in Schöppenstedt. Dort war zunächst davon ausgegangen, dass sich noch zwei Kinder im Gebäude befanden, was zum Glück nicht der Fall war. 


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