Im Rahmen einer feierlichen Inbetriebnahme wurde am Freitag die neue Photovoltaik-Anlage (PV-Anlage) auf dem Gelände der Kläranlage offiziell in Betrieb genommen. Ingo Schultz, technischer Geschäftsführer der Stadtwerke und Betriebsleiter des Abwasserbeseitigungsbetriebs Stadt Wolfenbüttel (ABW), betonte in seiner Rede die Bedeutung des Projekts für die Energieversorgung, Wirtschaftlichkeit und Klimaneutralität der kommunalen Infrastruktur.
Stromintensive Kläranlage als idealer Standort
Die Kläranlage Wolfenbüttel ist ein großer Stromverbraucher: Rund um die Uhr versorgen Gebläse die Belebungsbecken mit Sauerstoff – ein konstanter, hoher Energiebedarf (rund 1,4 Millionen Kilowattstunden pro Jahr), der bisher über das öffentliche Netz gedeckt wurde. „Allein die Stromkosten waren ein großer Anreiz, über eine Eigenversorgung nachzudenken“, erklärte Schultz. Mit der neuen PV-Anlage und einem innovativen Batteriespeicher aus recycelten Fahrzeugbatterien, der im Rahmen des Forschungsprojektes Fluxlicon in Wolfenbüttel aufgestellt wurde, kann die Kläranlage nun große Teile ihres Strombedarfs selbst decken. „Mit der Freiflächen-Photovoltaikanlage werden wir bis zu 40 Prozent des Strombedarfs der Kläranlage aus Sonnenenergie decken können“, erläuterte Ingo Schultz. Wolfenbüttel ist neben Ludwigsburg eine von nur zwei Kommunen bundesweit, die für das Batteriespeicher-Projekt ausgewählt wurde.
Energieneutralität bis 2040: Kommunale Abwasserrichtlinie als Treiber
Ein weiterer Grund für das Projekt ist die seit Anfang 2025 geltende „Kommunalabwasserrichtlinie“ (KARL), die eine schrittweise Energieneutralität aller deutschen Kläranlagen bis 2040 vorsieht. „Mit der Kombination aus PV-Anlage, Batteriespeicher und dem bestehenden Klärgas-Blockheizkraftwerk (BHKW) sind wir bereits heute auf einem guten Weg“, so Schultz. Die Anlage leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben und entlastet langfristig die Abwassergebühren.
Technische Daten
Die PV-Anlage mit einer Leistung von knapp 1 Megawatt-Peak erzeugt jährlich rund 850.000 Kilowattstunden Strom. Ein Teil wird direkt in der Kläranlage verbraucht (direkt oder in der Nacht aus einem Speicher), der Überschuss ins öffentliche Netz eingespeist. Der Batteriespeicher aus Second-Life-Fahrzeugbatterien (auch als Kombination von verschiedenen Herstellern) ermöglicht eine optimale Nutzung des Solarstroms auch nach Sonnenuntergang. „Wir haben die elektrotechnische Infrastruktur erneuert, eine neue Mittelspannungsschaltanlage und einen Trafo installiert – alles, um die Anlage sicher und effizient zu betreiben“, erläuterte Schultz.
Die Stadtwerke Wolfenbüttel wurden von der Abwasserentsorgung Wolfenbüttel AöR (AWA) mit der Koordination der Baumaßnahmen für die PV-Anlage beauftragt. Betrieb und Unterhaltung der Kläranlage sind Kernaufgaben der AWA, sie finanzierte die Baukosten der PV-Anlage samt neuer Mittelspannungsstation in Höhe von insgesamt 1,8 Millionen Euro.
Die Anlage spart jährlich rund 500 Tonnen CO2 ein – ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Gleichzeitig sichert sie die Kläranlage gegen volatile Strompreise ab: „Der hier produzierte Strom hat eine Preisstabilität für die nächsten 20 Jahre“, betonte Schultz.
Schultz dankte allen Mitwirkenden und den beteiligten Firmen. Die Anlage befindet sich aktuell im Probebetrieb und hat bereits die ersten Kilowattstunden Strom produziert. Nach Abschluss der letzten Arbeiten wird sie vollständig in den Regelbetrieb übergehen. „Heute feiern wir einen Meilenstein für die Zukunftsfähigkeit der Energieversorgung dieser Anlage“, so Schultz abschließend.