Der Jubel kannte nach dem Abpfiff des heißen Derbys zwischen dem Oberliga-Aufsteiger MTV Wolfenbüttel und Eintracht Braunschweig II, weder unter der Spielertraube in Blau rund um Trainer Michael Nietz und den Schützen des „Goldenen Tores“ aus 50 Metern Entfernung, Garrit Golombek, noch auf dem mit 1.500 Zuschauern gefüllten Rund des Meesche-Stadions kein Ende.

Äußerst zufrieden war auch Schaufenster-Geschäftsführer Michael Henke, der hatte nämlich kurz vor Anpfiff noch auf einen MTV-Sieg getippt.

Während auf der anderen Seite die jungen Löwen der Eintracht, die von Rückkehrer Marc Pfitzner als Kapitän geführt worden sind und auch ihr neuer Trainer Deniz Dogan nur fassungslos dastanden und immer wieder nur ihre Köpfe schüttelten, musste Erfolgstrainer Michael Nietz im 16er an sich halten und die Sensation erst einmal verdauen, um sie genießen zu können.

Der Wechsel des lange verletzten Gerrit Golombek in der 64. war laut Nietz geplant gewesen, um neue Ideen und zusätzliche Torgefahr des erfahren Golombeks in die Partie zu bringen.

Insgesamt war das eine Oberliga-Partie auf hohem Niveau. Der Gastgeber, im vergangenen Jahr noch in der Landesliga aktiv, brauchten nach dem Anfangs-Feuerwerk der Blau-Gelben mit den Jung-Profis aus der Ersten Nick Otto, Samuel Abifade, Besfort Kolgeci und Jan-Lukas Funke keine zehn Minuten, um selbst gefährlich zu werden. Schon in der 15. Minute hätte Wolfenbüttels Torjäger Rico-Rene Frank für das erste MTV-Tor sorgen können. Doch Eintrachts junger Torhüter Roman Birjukov reagierte blitzschnell und vereitelte die 100-prozentige Chance.

Dank einer geschlossenen Mannschaftsleistung und einer hervorragend eingestimmten Abwehr, störte das MTV-Team die verstärkten Angriffsbemühungen der Eintracht und ließ kaum Chancen zu. Als Turm in der Schlacht war MTV-Torhüter Marvin Hoffmann immer wieder zur Stelle und hielt durch seine herausragende Leistung den MTV immer wieder in der Spur, unter anderem gegen Eintrachts Jan-Lukas Funke in der 7. und in der zweiten Halbzeit bei Thilo Töpkens Kopfballversuch oder seinem Volley-Schuss in der 63. Minute. Die Löwen gewannen immer mehr an Oberwasser und erarbeiteten sich Chancen im Minutentakt. Der später eingewechselte Hendrik Mittelstädt scheiterte ebenfalls am Ex-Löwen Hoffmann in der 74. Der Keeper wuchs in der Schlussphase über sich hinaus und war der sichere Rückhalt für die Lessingstädter.

Kurios war schließlich das Zustandekommen des Siegtores. Sechs Minuten nach seiner Einwechslung erkannte Garrit Golombek eine Situation mit einem weit vor seinem Kasten stehenden Eintracht-Torhüter und schlug den Ball noch aus der eigenen Hälfte aus weit mehr als 50 Metern Entfernung den Ball Richtung Eintracht-Tor, wo die Kugel unter einem lauten Aufschrei der MTV-Fans auch noch einschlug.

Danach berannte die Dogan-Truppe das MTV-Gehäuse, doch Hoffmann verhinderte mindestens drei Großchancen. Nach dem Abpfiff gab es beim MTV kein Halten mehr. Dieser Erfolg musste gebührend gefeiert werden.

Michael Nietz sieht in dem Sieg mit der Supereinstellung seines Teams einen ersten Schritt zum Klassenerhalt und strahlte, dass der MTV gerade eine arrivierte Regionalliga-Mannschaft besiegt hatte. Sein Team sei bis an ihre physischen Grenzen gestoßen und sei letztlich dafür belohnt worden. Auch der verletzungsbedingte frühe Ausfall von Kapitän Alexander Scheinpflug (10.) habe sein Team weggesteckt. Die wichtigste Erkenntnis für  Nietz war die Tatsache, dass der MTV Wolfenbüttel mit diesem Einsatz und dieser Begeisterung in der Oberliga mithalten kann.

Eintracht-Trainer Deniz Dogan gratulierte den Wolfenbüttelern zu ihrem Erfolg, ist aber selbst recht perplex über das Vergeben dieser zahlreichen „Riesen-Torchancen“. Diese junge Elf, deren Akteure alle Profis werden wollten, müsste aus dieser Partie ihre Lehren ziehen  und schnellstmöglich dazulernen.