Es gibt Momente im Dorfleben, die weit über den Tag hinausstrahlen – Augenblicke, in denen jahrelange Planung, unzählige Arbeitsstunden und ein unerschütterlicher Gemeinschaftsgeist sichtbar werden. Ein solcher Moment war die feierliche Einweihung der neuen „Bürgerstube“ im Obergeschoss des Dorfgemeinschaftshauses. Dass dieser Meilenstein mit dem 45-jährigen Bestehen des Bürgervereins Apelnstedt zusammenfiel, verlieh dem Abend eine besondere historische Tiefe. Rund 80 Gäste kamen zusammen, um darauf anzustoßen.
In seiner Festrede schlug der Vorsitzende Matthias Müller den Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft. Er selbst zog vor 25 Jahren hierher und erinnerte an die Entwicklung vom beschaulichen Bauerndorf mit 330 Einwohnern hin zum modernen Lebensort für heute rund 500 Menschen mit vielen Familien. „Ich freue mich heute sehr, der Gemeinschaft etwas zurückgeben zu können“, betonte er mit Blick auf das Erreichte.
Die positive Entwicklung ist untrennbar mit dem Bürgerverein verbunden. Mit aktuell 126 Mitgliedern – davon 106 Erwachsene und 20 Kinder – ist statistisch gesehen jede vierte Person im Dorf im Verein organisiert. „Wir sind eine lebendige Dorfgemeinschaft. Der Bürgerverein ist der zentrale Motor dieses Miteinanders“, so Müller. So bleibe Apelnstedt einladend und schaffe wertvolle Begegnungen.
Die Geschichte des Bürgervereins begann im Dezember 1980 mit dem Impuls von 55 Einwohnern zur Stärkung der Gemeinschaft. Ein Auslöser war das Aufstellen des ersten Maibaums im Landkreis. „Der Verein sollte solche Traditionen pflegen und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken“, sagte Müller. Seit der Gründung am 19. Februar 1981 prägten sechs Vorsitzende den Weg des Vereins. Auf den Gründungsvorsitzenden Andreas Schattanick folgten Renate Stachowiak, Dieter Kubot, Claudia Gerecke, Sonja Karwowski und schließlich Müller.
Gewürdigt wurden auch die Akteure der ersten Stunde wie Renate Stachowiak, Maik Bartels und Honorarprofessor Klaus-Dieter Arndt. Letzterer leitete mit seiner Frau Edith bereits 1980 die Kaufverhandlungen für die alte Scheune ein, die heute das DGH beherbergt. Sie legten damit das Fundament für das Dorfzentrum, das durch die neue Bürgerstube nun eine Aufwertung erfährt.
Die Einweihung krönt einen Kraftakt, der 2017 begann. Tischlermeister Maik Bartels koordinierte als Bauleiter gemeinsam mit Diplom-Architekt Timo Löffler von der Samtgemeinde Sickte die komplexe Umsetzung. Eine der größten Hürden stellte dabei das Brandschutzkonzept dar, das Matthias Klages (WKF Architekten) erstellte. Schnell war klar, dass das gesamte DGH brandschutzmäßig ertüchtigt werden musste – ein „juristisches Erfordernis“, wie Samtgemeindebürgermeister Marco Kelb erklärte.
Insgesamt wurden 170.000 Euro investiert. Den Löwenanteil von 118.000 Euro trug die Gemeinde Sickte, unterstützt vom Zukunftsfonds Asse (34.000 Euro), dem Landkreis (15.000 Euro) und den Barmitteln des Bürgervereins (3.000 Euro). Doch die Summe erzählt nur die halbe Geschichte: „Die Bürgerstube wurde zu 100 Prozent ehrenamtlich ausgebaut“, so Bartels. Laut Kelb entspreche diese Eigenleistung einem fünfstelligen Euro-Betrag, der die Nutzungsfähigkeit des Hauses nun langfristig sichere.
Nachhaltigkeit wurde bei dem Projekt groß geschrieben. Die Theke und die Tische wurden vom Sportheim in Volzum übernommen, während die Metallaußentreppe für den Fluchtweg einst zur Sickter Gaststätte „Zur guten Quelle“ gehörte. Zahlreiche regionale Firmen wie die Tischlerei Bartels, Plagemann & Sohn (Elektro), Avacon (Gaszähler), Liefner (Leitungen), Kleibs (E-Check) und Metallbau Steffen trugen zum Bau ebenso wie Petra Regner und Michael Wittek in der Fachplanung bei. Auch Materialspenden von Firmen wie Geisler und Fliesen Winter trugen zum Gelingen bei.
Bürgermeister Ingo Geisler würdigte Apelnstedt als „Ort mit Herzensmenschen“. Er sei froh und stolz, hier zu leben. Die stellvertretende Landrätin Christiane Wagner-Judith gratulierte dem „bunten und engagierten“ Verein und unterstrich die Bedeutung solcher Projekte für die ländliche Struktur.
Die Bürgerstube steht künftig allen Gruppen offen. Ein Highlight wird die „Dienstag-Kneipe“ sein, die künftig wöchentlich ab 18 Uhr einlädt. Nach dem offiziellen Teil ließen die Gäste den Abend zünftig ausklingen: Das Sportheim Salzdahlum servierte Eisbein mit Sauerkraut und Rote Grütze. Ein würdiger Rahmen für ein Kapitel Dorfgeschichte, auf das Apelnstedt laut Müller wahrlich stolz sein kann.